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Heiliger Stuhl fordert Entlohnung der Hausarbeit von Frauen PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 05. März 2008 um 10:43 Uhr

erzbischof_celestino_migliore_.jpgDer Heilige Stuhl fordert eine „mutige Politik" zur Entlohnung der Hausarbeit von Frauen. Das betonte Erzbischof Celestino Migliore, Ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, am Montag vor dem UN-Ausschuss über die Stellung der Frau in New York. Dies berichtet die vatikanische Nachrichtenagentur ZENIT in einer Meldung vom 4. März 2008.

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Das Gremium nahm die Entwicklungen seit der vierten Weltfrauenkonferenz und die verschiedenen UN-Initiativen zur Gleichstellung der Frau einschließlich der Finanzierung von diesbezüglichen Maßnahmen in den Blick.

 

„Die letzten zehn Jahre haben eine stärkere Beteiligung von Frauen in allen Bereichen der Entscheidungsfindung mit sich gebracht, vor allem in der wirtschaftlichen Entwicklung", erklärte Erzbischof Migliore in seinem Beitrag. „In der Tat: Ein ‚empowerment’ der Frauen erfordert ihre Beteiligung an den Entscheidungsprozessen, um sicherzustellen, dass ihre spezifischen Einsichten gehört und berücksichtigt werden“, so der Vertreter des Heiligen Stuhls. Zudem müssten „ihre Belange angemessen berücksichtigt werden".



Der Nuntius konzentrierte sich in seiner Ansprache vor allem auf die Notwendigkeit, einen gleichberechtigten Zugang zur Bildung zu schaffen, derart, dass diese „im Mittelpunkt der Bemühungen um eine Stärkung der Rolle der Frauen steht". Er verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Arbeit der Kirche in diesem Bereich und wies darauf hin, dass sich in katholischen Bildungseinrichtungen vorwiegend Frauen eingeschrieben hätten.



Erzbischof Migliore bekräftigte zudem, dass ein „empowerment“ von Frauen durch Bildung „nicht isoliert betrachtet werden kann". Man müsse auch Frauenhandel und andere „diskriminierende Praktiken" angehen und beseitigen.



„Frauen muss Chancengleichheit, gleicher Lohn für gleiche Arbeit, Fairness beim beruflichen Aufstieg, gleichberechtigter Zugang zur Gesundheitsversorgung und rechtlichen Strukturen sowie Gleichberechtigung bei Familieneigentum und entsprechenden Rechten garantiert werden." Initiativen, von denen viele auf Glauben basierten und bedürftigen Frauen Hilfe brächten, insbesondere den Opfern von sexuellem und körperlichen Missbrauch, müssten eine Priorität bleiben.



„Maßnahmen und Initiativen, die Frauen in ihrer Fähigkeit zur vollen Teilnahme am Arbeitsplatz fördern, haben dazu geführt, dass es eine ständig zunehmende Präsenz von Frauen im formalen Arbeitssektor gibt“, gab Erzbischof Migliore zu bedenken. „Allerdings ist diese Realität mit neuen Herausforderungen für die Frauen verbunden, wie es die Ausbeutung in Sweatshops und der Handel mit Frauen und Mädchen für wirtschaftliche Zwecke im Sinn einer sexuellen Ausbeutung beweisen“, mahnte er. „Somit bedeutet die wachsende Zahl von Frauen, die außerhalb des Haushaltes arbeiten, einen Anruf an die Regierungen, Gesetze zu erlassen, Programme und Maßnahmen zum Schutz der Frauen vor skrupellosen Räuber, unmenschlichen Arbeitsbedingungen und entwürdigender Arbeit entsprechend umzusetzen und durchzusetzen."

 

Der Erzbischof widmete sich auch der Beteiligung von Frauen im familiären Haushalt und ihrer Rolle als Ehefrauen und Mütter, etwas, was „oft nicht anerkannt wird und unbelohnt bleibt". Diesbezüglich stellte der Vertreter des Papstes fest: „Frauen stehen vor der Herausforderung, gleichzeitig Kinder aufziehen und wirtschaftliche Sicherheit garantieren zu müssen." Erzbischof Migliore forderte deshalb „mehr Ressourcen" und „eine mutigere Politik" zur Entlohnung des sozio-ökonomischen Beitrags der Frauen, die im Haushalt arbeiten. „Eine Entlohnung hilft in gewisser Weise vor allem den armen Frauen sowie jenen, die weniger in der Lage sind, auf dem Arbeitsmarkt zu wirken", erläuterte er. „Das wäre auch eine konkrete Art und Weise, Frauen in den Genuss von öffentlichen Geldern zu bringen, die sie oft und an vielen Orten nicht erhalten; ja, wo ihnen doch sogar ein gerechter Anteil vorenthalten wird. Und natürlich müssen sich die Männer ihrer Verantwortung innerhalb der Familie und ihrem Beruf stellen."



Der Erzbischof appellierte im Namen des Heiligen Stuhls an Regierungen, Zivilgesellschaft und religiöse Organisationen, eng zusammenzuarbeiten, „um kreative Möglichkeiten für die Förderung des uneingeschränkten Zugangs von Frauen zu Entwicklungsprogrammen und Finanzierungsplänen zu erreichen. Projekte wie ‚Microfinance-Programme’ für Frauen beweisen, dass die menschliche Erfindungsgabe in der Lage ist, neue und innovative Lösungen in diesem Bereich zu entdecken".

 

Kommentar

 

Die vom Erzbischof Celestino Migliore vertretene Position widerspricht in einigen Punkten der überlieferten Auffassung der katholischen Soziallehre. Die primäre Aufgabe der Frau ist demnach die Sorge für die Familie und Kinder. Vor der Ehe oder wenn die Kinder erwachsen sind, kann eine Berufstätigkeit der Frau sinnvoll sein. Der liberale Kapitalismus war hingegen stets bemüht, billige Arbeitskräfte zu bekommen um dadurch zugleich den Lohn der männlichen Arbeitnehmer weiter nach unten drücken zu können, so daß ein Einkommen nicht mehr ausreicht, die Familie zu ernähren. Um diese Sorge für die Familie zu ermöglichen, hat die überlieferte katholische Soziallehre u.a. ein sogenanntes Familieneinkommen gefordert. Das Einkommen des Mannes muß eine Höhe haben, daß damit eine Familie ernährt und unterhalten werden kann. Unverheiratete Personen werden entsprechend deutlich geringer bezahlt. Diese Einkommen sollen zudem nicht durch den Staat geleistet werden, sondern durch die Arbeitgeber, dessen Pflicht es ist, einen gerechten und angemessenen Lohn zu zahlen. Eine Entlohnung von Hausarbeit wäre hingegen nur über die Erhebung von Steuern, Umverteilung, zusätzlicher Bürokratie und Erweiterung der staatlichen Eingriffe möglich.
 

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