Civitas Institut

Als Kind im Vernichtungslager PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 17. Februar 2008 um 10:15 Uhr
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S. Ex. Robert Zollitsch, der Freiburger Erzbischof und neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, hat sich in einem in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (17. 2.) vor einem „standpunktlosen Mitläufertum“ in unserer Gesellschaft gewarnt. Als junger Knabe war er Gefangener des Konzentrationslagers Gakovo und hat dort schreckliche Untaten erlebt. Aus dieser Erfahrung warnte er vor einer Gesellschaft ohne Gott. 

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Erzbischof Zollitsch sagte: „In den furchtbaren Erfahrungen meiner Kindheit, in dem, was Menschen in den Konzentrationslagern erlitten [haben] ... wird deutlich, was der Mensch mit dem Menschen zu machen imstande ist, wenn Gott nicht „dazwischen“ steht.“

Zu seinen furchtbaren Erlebnissen führte er aus: „Ich bin als Volksdeutscher und Donauschwabe im ehemaligen Jugoslawien geboren. Meine Vorfahren waren unter Kaiserin Maria Theresia in den Jahren 1760 bis 1763 aus den verschiedensten Gegenden des damaligen Reiches in den Südosten ausgewandert. In der Ungarischen Tiefebene entstanden deutsche Siedlungen. So auch mein Heimatort auf dem Gelände eines ehemaligen Klosters zu Ehren des heiligen Philippus. So entstand die Gemeinde Philippsdorf – oder in einer mehr der serbischen Umgebung angeglichenen Form: „Filipovo“ – mit etwas 5000 Bewohnern.

Mein ältester Bruder wurde 1943 mit 18 Jahren zum deutschen Militär eingezogen; mein Vater mit 43 Jahren im Oktober 1944 ebenfalls. Ende Oktober 1944 kamen die Russen.Sie waren menschlich. Bald darauf aber kamen Titos Partisanen. Mit ihnen begann die schreckliche Zeit. Am 25. November 1944 wurden 212 Männer zwischen sechzehn und sechzig Jahren, darunter mein damals gerade erst sechzehnjähriger Bruder Josef, von Titos Partisanen grausam abgeschlachtet und in drei Massengräber, die sie zuvor hatten selbst ausheben müssen, verscharrt. Ich war damals sechs Jahre alt und erinnere mich an viele Details. Ich höre die Schüsse heute noch, als sie aus unserem Dorf hinausgetrieben wurden. In meinen Ohren klingen noch die bangen Fragen, das Weinen und die Verzweiflung der Mütter, der Ehefrauen, der Kinder.

Meine Mutter wurde in ein Zwangsarbeitslager abgeholt. Und am 1. April 1945 – es war der Ostersonntag – wurde ich mit meiner Großmutter und drei Cousinen in meinem Alter ins Vernichtungslager Gakovo eingeliefert. Dort befanden sich zeitweise zwischen 18 000 und 23 000 Deutsche – vorwiegend alte Leute und Kinder. Da habeich erlebt, was Alfred Delp über seine Verhandlung vor dem Volksgerichtshof schreibt. „Man ist dort kein Mensch.“

Wenn wir wieder einmal – um nur ein Beispiel zu nennen – morgens um halb vier antreten mussten, um gefilzt zu werden, wurde zunächst eine Frau vor unseren Augen erschossen, um uns Angst zu machen und zu zeigen, dass wir in den Augen vonTitos Machthabern nichts sind. Alte Leute und Kinder verhungerten, starben massenweise. Die Leichen wurden in die Massengräber geworfen, bis diese vollwaren, und dann mit Erde zugedeckt. ... Es ist eine meiner Erfahrungen schon als Kind im Vernichtungslager: Wer sich von der Angst lähmen lässt und resigniert, geht unter. Wer sich nicht kleinkriegen lässt, hat die Chance, durchzuhalten und zu überleben – vor allem dann, wenn er weiß, wofür er lebt und wofür er eintritt.

Erzbischof Zollitsch mahnt daher die Katholiken unserer Zeit: „Sind wir nicht heute alle all zu sehr in Gefahr, dem nachzulaufen und uns dem anzupassen, was „in“ ist, was die anderen sagen und tun? Zum standpunktlosen Mitläufer im Gleichschritt zu werden? Ist es heute nicht eine große Versuchung, uns mit Vordergründigem zufriedenzugeben? Unsere Politiker und unsere Politik sind doch stets in Versuchung, sich nach den Ergebnissen der Umfragen zu richten, statt nach Werten und dem, was sachlich notwendig ist. Zu viele fragen nur noch: Was kommt an? Statt sich zu besinnen und zu fragen: Worauf kommt es an? Haben wir nicht eine Stimmungs- und Gefälligkeitsdemokratie anstelle einer Ausrichtung und Orientierung nach Werten?“

Erzbischof Zollitsch reflektierte die Verbrechen des Kommunismus wie folgt: „Ich frage mich manchmal, ob die Verbrechen des letzten Krieges auf dem Balkan, die Massaker in Srebrenica, auch deswegen möglich waren, weil die Verbrechen von1944 bis 1948 im ehemaligen Jugoslawien zugedeckt und Tito für sie noch belohnt wurde.“

 

Bild: Mahnmal im ehemaligen Vernichtungslager Gakovo 

 

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