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Lourdes sozial PDF Drucken E-Mail
Montag, den 11. Februar 2008 um 06:46 Uhr
lourdes_sozial.jpgVor 150 Jahren, am 11. Februar 1858, erschien in Lourdes die Unbefleckte Jungfrau der hl. Bernardette. Die Botschaft der Buße und des Gebetes, die die Königin des Himmels der Menschheit mitteilen ließ, ist in viele Herzen gedrungen. Leider nicht in alle. Papst Pius XII. ermahnte in seiner Lourdes-Enzyklika die Katholiken, auch die soziale Dimension der christlichen Erneuerung durch die Erscheinung fest ins Auge zu fassen.. Pius XII. schrieb u.a.: Bei der Grotte lädt uns die Jungfrau im Namen ihres Sohnes zur Bekehrung unserer Herzen und zum Vertrauen auf Verzeihung ein. Wollen wir auf sie hören?

In dieser demütigen Antwort des Menschen, der sich als Sünder bekennt, liegt die wahre Größe dieses Jubeljahres. Welchen Segen könnten wir für die Kirche mit Rechterwarten, wenn jeder Pilger von Lourdes – ja, jeder Christ, der sich den Jubelfeierlichkeiten im Herzen anschleißt – zuerst in seinem eigenen Inneren dieses Werk der Heilung vornähme, nicht in Worten, „nicht mit der Zunge,sondern in Tat und Wahrheit“ (Joh. 3, 18).

Alles lädt ihn übrigens dazu ein; denn vielleicht nirgends fühlt man sich zum Gebet undgleichzeitig zur Selbstverleugnung und zur Nächstenliebe so hingezogen wie inLourdes. Wenn man die Hingabe der Krankenträger und den ungetrübten Frieden der kranken erblickt, wenn man die Brüderlichkeit sieht, die die Gläubigen der verschiedensten Herkunft in  ihrem gemeinsamen Bittangebot verbindet, wenn man die spontane Hilfsbereitschaft unddie ungezierte Glut der Andacht der vor der Grotte knienden Pilger feststellenkann, werden die Besten gepackt von dem Impuls zu einem noch vollkommeneren Leben im Dienste Gottes und des Nächsten. Die weniger Frommen werden sich ihrer Lauheit bewußt und finden den Weg zum Gebet zurück, die mehr verhärteten Sünder,ja die Ungläubigen werden häufig von der Gnade erfaßt oder wenigstens, wenn sie ehrlich sind, bleiben sie nicht ungerührt ob des Schauspiels dieser „Menge von Gläubigen, die hier ein Herz und eine Seele sind“ (Apog. 4, 32).

Doch dieses Erlebnis von einigen wenigen Wallfahrtstagen genügt gewöhnlich nicht, um denRuf Mariens zu einer aufrichtigen geistigen Umkehr unauslöschlich in dieschwankenden Herzen zu prägen. Deshalb ermahnen wir die Hirten der Diözesen und alle Priester, zu wettfeifern, daß die Wallfahrten zur Jahrhundertfeier eine gründlicheVorbereitung und Durchführung erfahren und vor allem für die Folgezeit zur tiefen und dauernden Mitwirkung mit der Gnade geneigt machen. In der Rückkehrzu einem eifrigen Sakramentenempfang, in der Ehrfurcht vor der christlichenMoral im ganzen Leben, endlich in der Mitwirkung in den Reihen der Katholischen Aktion und der verschiedenen, von der Kirche empfohlenen guten Werke –nur indieser Hinsicht kann, wie ihr wohl einseht, der für Lourdes im Jahre 1958vorgesehene bedeutende Menschenstrom die von der Unbefleckten Jungfrauerwarteten und für die gegenwärtige Menschheit so notwendigen Früchte tragen!

Eine kollektive Anstrengung zur Bekehrung der menschlichen Gesellschaft muß in Gang gebracht werden. So vordringlich auch die persönliche Bekehrung des Pilgerssein soll, sie kann hier nicht genügen. Wir bitten euch, liebe Söhne und ehrwürdigeBrüder, bei den euch anvertrauten Gläubigen ein gemeinsames Bemühen zur Erneuerungder christlichen Gesellschaft als Antwort auf den Appell Mariens anzufachen. „Daß die verblendeten Geister ... durch das Licht der Wahrheit und Gerechtigkeit erleuchtet werden, das verlangte schon Pius XI. anläßlich der marianischenFeiern im Jubeljahr der Erlösung, daß jene, die sich im Irrtum verlieren, auf den geraden Weg der Wahrheit zurückgeführt werden, daß eine gerechte Freiheit der Kirche überall eingeräumt und sich eine Ära der Eintracht und wahren Glücks über alle Völker erstrecken werde.“ (Brief vom 10. Januar 1935).

Aber die Welt, die in unseren Fragen so viele Veranlassungen zum Stolz und zur Hoffnungbietet, kennt ebensosehr eine gefährliche Hinneigung zum Materialismus, der vonUnseren Vorgängern und von Uns selbst schon oft an den Pranger gestellt wurde.Dieser Materialismus ist nicht nur in der Philosophie zu verdammen, welche die Politik und die Wirtschaft eines beträchtlichen Teiles der Menschheitbeherrscht; er wütet auch in der Geldgier, deren verheerende Folgen sich mit dem Wachsen der modernen Unternehmungen vervielfältigen und leider so vieleEntscheidungen über Leben und Gedeih der Völker bestimmen. Er macht sichbemerkbar im Kult des Leibes, in dem übertriebenen Verlangen nach Luxus und derFlucht vor jeder strengen Lebenszucht; es führt zur Verachtung des menschlichenLebens, sogar desjenigen, das man zerstört, bevor es das Licht gesehen hat; ersteckt in der Unbekümmertheit um den Bruder, in der Selbstsucht, die ihnvernichtet, in der Ungerechtigkeit, die ihn seiner Rechte beraubt, mit einem Worte, in jener Lebensauffassung, die alles allein vom Standpunkt materieller Prosperität und irdischer Befriedigung regelt. „Meine Seele“, sagt ein Reicher,„du hast für lange Zeit eine Menge Güter auf Vorrat; ruhe dich aus, iß, trinktund lasse dir’s wohlsein.“ Aber Gott sagt ihm: „Du Tor, heute nacht noch wird man deine Seele zurückfordern“ (Lk 12, 19-20).

Gegen eine Gesellschaft, die im öffentlichen Leben oft die obersten Rechte Gottes verwirft, die die Welt auf Kosten der Seele gewinnen möchte (vgl. Mk 8, 36) undsie auf diese Weise verliert, hat die mütterliche Jungfrau alle zum Sturm aufgerufen. Mögen die Priester diesem Ruf gehorchen und es wagen, die großen Heilswahrheiten ohne Furcht zu predigen. In der Tat, es gibt keine dauerhafte Erneuerung, wenn sie nicht auf den unverbrüchlichen Wahrheiten des Glaubens beruht, und es ist die Aufgabe der Priester, das Gewissen des christlichen Volkes zu formen. Gleich wie die Unbefleckte voller Mitleid über unser elend,aber in voller Kenntnis unserer Bedürfnisse, zu den Menschen kommt, um sie zueiner gründlichen und ernsten Umkehr zu bringen, ebenso sollen die Verwalter des göttlichen Wortes mit übernatürlicher Gewißheit den Seelen den engen Wegzeigen, der zum Leben führt (Mt. 7, 14). Sie sollen es nicht tun, ohne denGeist der Sanftmut, jedoch ohne etwas von den Forderungen des Evangeliums abzustreichen. In der Schule Mariens lernen sie, nur dafür zu leben, der WeltChristus zu schenken, aber auch, wenn es sein muß, mit Zuversicht auf die StundeJesu zu warten und am Fuße des Kreuzes auszuharren.

Um ihre Priester geschart, sollen die Gläubigen an diesem Werk der Erneuerung mitarbeiten. Da, wo sie die Vorsehung hingestellt hat, wer könnte sonst nochmehr für die Sache Gottes wirken?

Unsere Gedanken wenden sich zunächst zu der vielen Menge der gottgeweihten Seelen, die sich in der Kirche für unzählige Werke der Barmherzigkeit geweiht haben. Ihre Ordensgelübde verpflichten sie mehr als andere, unter der Führung Mariens inder Welt gegen die Brandung der unmäßigen Gelüste, der Unabhängigkeit, desReichtums und des Genusses siegreich zu kämpfen. Mögen sie sich daher auf denRuf der Unbefleckten mit den Waffen des Geistes, der Buße und der Triumphe barmherziger Liebe dem Ansturm des Bösen entgegenstellen.

Unser Gedanke wendet sich in gleicher Weise an die christlichen Familien, um sie zubeschwören, ihrer Mission in der menschlichen Gesellschaft, die kein anderer übernehmenkann, treu zu bleiben; mögen sie sich in diesem Jubeljahr dem unbeflecktenHerzen Mariens weihen. Dieser Akt der Frömmigkeit wird für die Eheleute einewertvolle geistige Hilfe sein, um die Gebote de Keuschheit und der ehelichenTreue zu wahren; sie wird die häusliche Atmosphäre, in der ihre Kinderaufwachsen, in ihrer Reinheit erhalten, ja, mehr, sie wird aus der Familie,belebt durch die Andacht zu Maria, eine lebendige Zelle der sozialen Wiedergeburt und der apostolischen Durchdringung machen.

Aber auch überden Kreis der Familie hinaus bieten die beruflichen und bürgerlichen Beziehungen dem sich für die Erneuerung des sozialen Lebens einsetzenden Christen einreiches Feld der Betätigung. Gemeinsam zu Füßen der Jungfrau auf ihre Mahnungenhorchend, werden sie zunächst auf sich selbst einen prüfenden Blick werfen undauf ihrem Gewissen alle falschen urteile, alle selbstsüchtigen Widerständeausmerzen, schon aus Furcht, Gott mit einer falschen Liebe zu betrügen, diesich dem Nächsten gegenüber nicht auswirken will. Christen aller Klassen undNationen sollen sich in der Wahrheit und der Liebe begegnen, um die Mißverständnisseund das Mißtrauen zu bannen. Gewiß ist das Gewicht der sozialen Struktur undder wirtschaftliche Druck, die auf dem guten Willen lasten und ihn oftkaltstellen, ein ungeheurer. Aber wenn es wahr ist – wie Unser Vorgänger undWir selbst es immer mit Nachdruck betont haben -, daß die Frage des sozialenund politischen Friedens zuerst eine Frage der Moral ist, so wird keine Reform Früchte tragen, keine Vereinbarung von Dauer sein ohne eine Umwandlung und Reinigung der Herzen. Die Jungfrau von Lourdes bringt dies allen in diesem Jubeljahr zur Erinnerung.

Und wennMaria in ihrer Besorgnis sich mit Vorliebe manchen ihrer Kinder zuneigt, sindes nicht, meine lieben Söhne und Brüder, die Kleinen, die Armen und Kranken,die Jesus so sehr geliebt hat? „Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, und Ich werde euch erquicken“ (Mt. 11, 28). Ist es nicht, als ob sie somit ihrem Sohne spricht? Geht zu ihr, die euch die materielle Not erdrückt ohne Schutz vor der Unerbittlichkeit des Lebens und der Gleichgültigkeit der Menschen; geht zu ihr, die ihr vom Schmerz oder seelischer Prüfung heimgesuchtworden sein; geht zu ihr, ihr lieben Kranken und Gebrechlichen, die ihr in Lourdes wirklich als die leidenden Glieder unseres Hern empfangen werdet; geht zu ihr und empfangt den Frieden des Herzens, die Kraft für die Pflicht des Alltags, die Freude des dargebrachten Opfers. Die Unbefleckte Jungfrau, die die geheimen Wege der Gnade in den Seelen und die Arbeit kennt, die dieser übernatürlicheSauerteig in der Welt leistet, sie weiß, wie hoch in den Augen Gottes eure mit der Passion des Erlösers verbundenen Leiden stehen. Sie werden, daran zweifelnWir nicht, ganz wesentlich zu der christlichen Erneuerung der menschlichen Gesellschaften beitragen, die Wir von Gott durch die mächtige Fürbitte seinerMutter erflehen. Möge durch das Gebet der Kranken, der demütigsten aller Pilgervon Lourdes Maria auch ihr mütterliches Auge auf diejenigen wenden, die noch außerhalbder Hürde der Kirche stehen, um sie alle in der Einheit zu sammeln. Möge sieihre Augen auf diejenigen richten, die suchen und Durst haben nach der Wahrheit, um sie zur Quelle des lebendigen Wassers zu führen. Möge ihr Blickdie riesigen Kontinente und die weiten, von Menschen bewohnten Gebiete umfassen, wo Christus leider so wenig bekannt ist, so wenig geliebt wird, und mögesie der Kirche überall die Freiheit und di Freude erwirken, an allen Orten jung, heilig und apostolisch den Erwartungen der Menschen zu entsprechen.

„Willst dudie Güte haben, zu kommen ...“, sagte die Heilige Jungfrau zu Bernadette. Diesezarte Einladung, die nicht zwingt, die sich ans Herz wendet und voller Rücksicht eine freie und großmütige Antwort erwartet, diese Einladung richtet die Mutter Gottes wiederum an ihre Söhne in Frankreich und in der ganzen Welt. Ohne sie zuzwingen, drängt sie sie, sich zu bessern und mit allen ihren Kräften am Heil der Welt zu arbeiten.

 
 

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