Civitas Institut

Sozialismus ist nicht Gerechtigkeit, sondern Schreckensherrschaft PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 11. April 2018 um 09:41 Uhr

Daß die historische Analyse, wenn sie mit den gegebenen Möglichkeiten sauber ausgeführt wird, zu erstaunlich tragfähigen Ergebnissen und Aussagen führen kann, macht diese sich wissenschaftlicher Methoden bedienende Arbeitsweise zu einer Gefahr für alle Ideologen. Deshalb war es immer das Bestreben bestimmter Kreise, sich der Geschichte zu bemächtigen, um entweder "tabula rasa" zu machen oder sie mehr oder minder subtil so zu verändern, daß sie eben diesen Kreisen ungefährlich wird. Die "moderne" Geschichtswissenschaft ist voller Beispiele; eines davon ist die bekannte These von der deutschen Alleinschuld am Ersten Weltkrieg - sie ist inzwischen so vergangen wie ihr Erfinder, ein gewisser Fritz Fischer. Schon 1877 erschien eine kurze Analyse des Sozialismus, die uns heute auf Grund ihrer Aussagekraft verblüfft und die wir deshalb hier wiedergeben wollen. Sie stammt von einem Philosophen, den die Sozialisten u.a. deshalb nicht mögen.

 

473. Der Socialismus in Hinsicht auf seine Mittel. - Der Socialismus ist der phantastische jüngere Bruder des fast abgelebten Despotismus, den er beerben will; seine Bestrebungen sind also im tiefsten Verstande reactionär. Denn er begehrt eine Fülle der Staatsgewalt, wie sie nur je der Despotismus gehabt hat, ja er überbietet alles Vergangene dadurch, dass er die förmliche Vernichtung des Individuums anstrebt: als welches ihm wie ein unberechtigter Luxus der Natur vorkommt und durch ihn in ein zweckmässiges Organ des Gemeinwesens umgebessert werden soll. Seiner Verwandtschaft wegen erscheint er immer in der Nähe aller excessiven Machtentfaltungen, wie der alte typische Socialist Plato am Hofe des sicilischen Tyrannen; er wünscht (und befördert unter Umständen) den cäsarischen Gewaltstaat dieses Jahrhunderts, weil er, wie gesagt, sein Erbe werden möchte. Aber selbst diese Erbschaft würde für seine Zwecke nicht ausreichen, er braucht die allerunterthänigste Niederwerfung aller Bürger vor dem unbedingten Staate, wie niemals etwas Gleiches existirt hat; und da er nicht einmal auf die alte religiöse Pietät für den Staat mehr rechnen darf, vielmehr an deren Beseitigung unwillkürlich fortwährend arbeiten muss - nämlich weil er an der Beseitigung aller bestehenden Staaten arbeitet -, so kann er sich nur auf kurze Zeiten, durch den äussersten Terrorismus, hie und da einmal auf Existenz Hoffnung machen. Desshalb bereitet er sich im Stillen zu Schreckensherrschaften vor und treibt den halb gebildeten Massen das Wort "Gerechtigkeit" wie einen Nagel in den Kopf, um sie ihres Verstandes völlig zu berauben (nachdem dieser Verstand schon durch die Halbbildung sehr gelitten hat) und ihnen für das böse Spiel, das sie spielen sollen, ein gutes Gewissen zu schaffen. - Der Socialismus kann dazu dienen, die Gefahr aller Anhäufungen von Staatsgewalt recht brutal und eindringlich zu lehren und insofern vor dem Staate selbst Misstrauen einzuflössen. Wenn seine rauhe Stimme in das Feldgeschrei "so viel Staat wie möglich" einfällt, so wird dieses zunächst dadurch lärmender, als je: aber bald dringt auch das entgegengesetzte mit um so grösserer Kraft hervor: "so wenig Staat wie möglich".

Nietzsche, Friedrich Wilhelm. Menschliches, Allzumenschliches

Den Hinweis verdanken wir dem Blog science files.

JV

 

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