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Jean Raspail: Masseneinwanderung und der Zustand Europas PDF Drucken E-Mail
Montag, den 25. Mai 2015 um 16:42 Uhr

Der französische Forschungsreisende, Reiseschriftsteller und Romancier Jean Raspail ist inzwischen auch in Deutschland kein Unbekannter mehr. In deutscher Übersetzung sind bisher seine Romane "Sire" und „Sieben Reiter...“ erschienen, momentan wird eine Neuübersetzung des berühmten, visionären Romans „Das Heerlager der Heiligen“ vorbereitet. In Frankreich sind die Bücher Raspails in Millionenauflagen erschienen. - Am 25. April 2015 gab der traditionelle Katholik Raspail dem Radiosender „Radio Classique“ ein fulminantes Interview, das wir in Auszügen hier wiedergeben.

Im Laufe dieses Interviews sprach Raspail über sein Werk „Das Heerlager der Heiligen“ und darüber, wie erstaunlicherweise die Wirklichkeit seine "Vision" eingeholt und überholt hat. Der Roman entstand im Jahre 1972 (!!) und beschreibt die Folgen einer massiven Invasion aus der Dritten Welt in die westliche Zivilisation, insbesondere in Frankreich. „Was in diesem Buch beschrieben wird, geschieht heute. Das kleine und völlig dekadente Europa sieht sich mit einem enormen menschlichen Reservoir in und aus der Dritten Welt konfrontiert. Ein großer Teil der europäischen Bevölkerung fürchtet, in der Heimat nicht mehr die Mehrheit zu sein. Demographische Studien zu diesem Thema sind recht beunruhigend.“ (Bei den nachfolgenden Auszügen aus dem Interview haben wir den Charakter des frei gesprochenen Wortes beibehalten. Dem Leser bleibt es vorbehalten, Rückschlüsse und Vergleiche zur Situation in unserem Vaterland zu ziehen).

"Olivier Bellamy (Radio Classique): Jean Raspail, welche menschlichen Eigenschaften sind für sie die wichtigsten? Mut? Treue? … Werte dieser Art?

Jean Raspail: Das geschieht mir oft bei Interviews, man stellt mir Fragen, an die ich nie gedacht habe. Nun ja. Nein, also diese Frage habe ich mir nie gestellt... Durchhaltefähigkeit, Ernsthaftigkeit, intellektuelle Redlichkeit, Treue... Wollen Sie noch mehr? Man kann das Vaterland hinzufügen, wenn es noch französisch ist, die westliche Zivilisation... für meinen Teil würde ich sogar die katholische Religion dazufügen, wissen Sie, das alles gehört zusammen, voilà... sicher, es gibt da noch einiges mehr, aber Sie fragen mich... nach einem besonderen Gefühl? Nein, man trägt da sehr viel mit sich herum...

O.B.: Im Jahre 1973, Jean Raspail, haben Sie „Das Heerlager der Heiligen“ veröffentlicht, und man hat gesagt, das sei ein prophetisches Buch. Das wird einem heute klar, mit all den Völkerscharen, die aus dem Süden nach Europa strömen, oft auch auf die Gefahr eines manchmal sicheren Todes hin oder jedenfalls einer sehr großen Armut, und einige haben gesagt, das sei ein rassistisches Buch. Was würden Sie heute rückblickend sagen, nachdem es neu aufgelegt wurde, in zahlreiche Sprachen übersetzt, wie sehen Sie es rückblickend selbst?

J.R.: Das Heerlager der Heiligen habe ich 1972 am Mittelmeer geschrieben in einem Haus, das mir eine Tante zur Verfügung gestellt hatte. Ich schaute aufs Meer und sagte mir... ich sage, wie es war, ja? Es ist ein Buch, zu dem ich inspiriert wurde, ich weiß nicht von wem, inspiriert – und ich habe mir gesagt: und wenn sie kommen? Das ist alles. „Sie“, das war die ganze Dritte Welt. Zu jener Zeit begann es schon, unruhig zu werden, nicht wahr. 'Und wenn sie kommen', und ich habe dieses Buch geschrieben, es geht ganz einfach um die Ankunft mit Schiffen mit Millionen an Bord, aber in dem Fall, sehen Sie, sind es sehr viele und innerhalb von 24 Stunden, also die Landung, meine ich. Mehr als eine Million kommen auf verrosteten Frachtschiffen und stranden in der Provence. Und, ganz eigenartig und seltsam: schon vor fünfzehn Jahren ist als erstes ein Schiff voller Kurden gestrandet, mit Flüchtlingen an Bord, und zwar genau dort, wo ich dieses Buch geschrieben habe. Das war ein Zufall, der übrigens viel Beachtung gefunden hat. Nun gut. Das Problem ist folgendes: sie sind eine Million, sie sind arm, sie haben Hunger, ja? Sie sind schwach, sie sind eine Million, und sie werden landen. Ihnen folgen noch drei oder vier Millionen, die nur auf das Ergebnis jener ersten Landung warten. Voilà. Das alles ist spontan geschehen, es gab noch keine Geschichten wie heute, mit Schleppern. Das war alles spontan und nicht schlecht, nun gut und... und, was bleibt zu tun? Wenn man sie lässt, dann kommen Millionen, und wie soll man sie aufhalten? Nicht wahr? Wenn man sie hereinläßt, dann wird man gewissermaßen auf die eine oder andere Weise überflutet. Und was soll man dagegen tun? Auf sie schießen? Ach ja? Und wie, auf welche Weise soll das passieren? Voilà, genau das ist das Thema vom Heerlager der Heiligen. Tatsächlich ist das Heerlager der Heiligen nicht nur ein Buch über die friedliche Invasion des Abendlandes durch die Dritte Welt – es ist jedoch ein Roman, sicher – sondern es ist auch der Roman der europäischen und abendländischen Dekadenz angesichts von etwas, das weder verhandelt, noch verstanden, noch evaluiert oder sonst etwas werden kann, und nun trifft es sich, und dafür kann ich nichts, dass genau das in diesem Augenblick geschieht. Ich weiß, es gibt da eine Zeitung, die vor vierzehn Tagen über mich geschrieben hat, eine Zeitschrift mit meinem Bild und mit der Bildunterschrift „Der Prophet“, nun gut, diesen Ausdruck weise ich zurück, aber nun sagt man trotzdem nichts mehr gegen das Heerlager der Heiligen. Es gab da einen Augenblick, in dem man sagte, ich sei da zu weit gegangen, das ist jetzt aber vorbei, denn es trifft sich unglücklicherweise, weil ich immer gewünscht habe, dass das, was ich in meinem Buch erzählt habe, niemals geschehen würde. Und nun geschieht es wirklich, und jetzt hat Raspail recht gehabt, das hat zum Beispiel Poirot-Delpech vor kurzem in „Le Monde“ geschrieben, der mich vorher verrissen hatte und der nun sagt, nun, ich verneige mich, Raspail hatte recht. Und davon gibt es viele. Nun lässt man mich in Ruhe, es ist nicht rassistisch, noch nie hat man einen rassistischen Forschungsreisenden gesehen, das wäre ja auch eine recht seltsame Einstellung. Es gibt da nur eine Auseinandersetzung, keine Gefahr, aber beinahe, nämlich die potentielle Bedrohung durch dieses enorme menschliche Reservoir angesichts dieses völlig dekadenten Europas. Mehr kann ich Ihnen nicht sagen. Voilà. Das Heerlager der Heiligen, das ist der Bericht über alles dieses. Voilà.

O.B.: Und was meinen Sie, was kann man angesichts dieses Zustroms tun?

J.R.: Darauf kann ich Ihnen nicht antworten. Das ist eine völlig unlösbare Frage. Völlig unlösbar, verstehen Sie?… Wir entfernen uns ein wenig vom Thema, aber nicht allzu sehr. Wenn man zu härteren Mitteln greift, was immer möglich ist, ich meine, man kann es, man könnte es, aber die christliche Nächstenliebe und der aktuell herrschende Humanitarismus, der in seiner Übersteigerung und in seinen Folgen, wenn Sie so wollen, aber doch in unserem europäischen Universum dominiert, stellt sich dem absolut entgegen. Das ist nicht möglich. Ich denke aber, dass ein großer Teil der europäischen Bevölkerung eine gewisse innere Angst spürt, wenn sie sich sagt, dass sie eines schönen Morgens bei sich zu Hause nicht mehr die Mehrheit sein wird. Es sind demographische Studien durchgeführt worden, die recht beunruhigend sind. Aber ich kann Ihnen nicht antworten. Es gibt keine Antwort – übrigens gehört das jetzt nicht mehr zu meinen Prophezeiungen – die europäischen Regierungen sind unfähig, eine Antwort darauf zu geben. Unfähig.

[…]

O.B.: Jean Raspail, mögen Sie verlorene Angelegenheiten?

J.R.: Mögen? Nein, das Wort trifft es nicht. Aber oft ist es angenehmer, sich dafür zu interessieren, sich für eine verlorene Angelegenheit zu engagieren als für eine wirkliche Angelegenheit. Man könnte fast sagen, dass jede wirkliche Angelegenheit irgendwann zu einer verlorenen Angelegenheit wird, aber letztlich... nein. Man sagt das so, weil es tatsächlich alle diese ethnischen Minderheiten gab, von denen wir gerade gesprochen haben, und deren Angelegenheiten sind verloren, gut. Und dann gibt es da auch... ich bin Royalist, und das ist in diesem Augenblick in Frankreich eine völlig verlorene Angelegenheit, tut mir leid, das ist unglücklicherweise meine Meinung, und in einem gewissen Sinn ist das schade. Ich habe das zweihundertjährige Gedenken des Todes Ludwigs XVI. auf der Place de la Concorde organisiert, nun gut, das sind sie, die verlorenen Angelegenheiten. Aber trotzdem ist das nicht unnötig, und es ist ganz außerordentlich bereichernd, wenn sie so wollen. Finde ich.

O.B.: Und Frankreich?

J.R.: Pffff... Das sind solche Fragen, die Jacques Cancel stellte, wissen Sie! Ich bin mehrfach bei ihm gewesen, und ganz plötzlich sagte er dann: „Und, Jean Raspail, der Tod?“ Gut, ähm, kommen Sie damit klar, wie sie wollen, und nun sagen Sie: „Und Frankreich?“ Meine Antwort: ich bin voll und ganz Franzose. Wenn wir von der Vergangenheit sprechen wollen, gehört meine Familie... meine Familie ist überhaupt nicht adelig, aber ausgesprochen französisch, provenzalisch, aus dem Languedoc usw. Französisch von alters her, etwa seit der Zeit der Völkerwanderung oder so. Sehr, jedenfalls. Das ist Frankreich, und ich bin über den Zustand bestürzt, nicht nur über den Zustand, in dem das Land sich befindet, sondern über den moralischen, intellektuellen, zivilisatorischen (wie man heute sagt) Verfall, usw. usw. eines großen Teils meiner Landsleute, die mir letztendlich dann fremd und fern werden, denn lieber will ich das so als dass ich beginnen würde, sie zu verachten oder sie nicht zu mögen. Es gibt Augenblicke, in denen ich mich nicht heimisch fühle, selbst wenn ich mich in Gesellschaft vieler Franzosen befinde, vielleicht liegt das auch an meinem Alter, aber man kann schließlich nicht sagen, dass die Zeit, in der wir leben, eine Zeit großer großer und starker Gefühle ist. Das kann man nicht sagen. Es gibt Worte, die man nicht mehr gebraucht, ich werde sie hier nicht zitieren, das ist nicht möglich, damit wollen wir gar nicht erst anfangen. Aber... die Zeitungen haben nicht mehr viel Ehre, und die Politiker, davon können Sie sich überzeugen, haben überhaupt keine Ehre mehr. Voilà. Und so ist das mehr oder weniger mit allem. Sogar die französische Sprache nicht mehr, sie bedienen sich schlecht der Sprache, nicht alle, nicht alle, man soll nicht verzweifeln, aber es ärgert mich eben doch ein wenig. Ich finde, dass ein Teil der französischen Bevölkerung ihres und meines Landes nicht würdig ist. Im großen und Ganzen. Voilà.“

Transkription: Dr. Didier Frelon

Übersetzung: JV

 

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