Civitas Institut

Referendum: Homo"ehe" im katholischen Irland erlaubt PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 24. Mai 2015 um 09:50 Uhr

Irland galt früher als die „Insel der Heiligen und Rebellen“, als so etwas wie ein katholisches Musterland. Seit gestern zeigt sich ein völlig anderes Bild: in ganz Europa jubilieren die gleichgeschalteten Medien über das Ergebnis des Referendums über die Zulassung der Homo-“Ehe“im „katholisch geprägten Irland“, ein Ergebnis, das nichts weiter als katastrophal ist. Katastrophal auch, weil es ein erschreckendes Licht auf die Verhältnisse in der Kirche in Irland wirft, auf die Herde, vor allem aber auf die Hirten.

Die genauen Ergebnisse liegen zur Zeit noch nicht vor, aber es scheint sicher, dass eine große Mehrheit der Iren mit „Ja“ gestimmt und sich somit für die sogenannte Homo“ehe“ ausgesprochen hat.

Und das in einem Land, in dem die große Mehrheit der Bewohner sich katholisch nennt, und in dem das Schulwesen zu 92 % in den Händen der Kirche liegt... Das zeigt nichts weiter als die Pflichtvergessenheit des irischen Klerus, denn anscheinend kennen die Katholiken (nicht nur dort, übrigens) ihren Katechismus nicht mehr, von Kenntnissen des Naturrechts ganz zu schweigen.

Dazu kommt, dass wirkliche Opposition gegen das „Ja“ kaum stattfand. Man hatte Angst, von der Diktatur der herrschenden Ideologie als „homophob“ verhetzt zu werden.

Besonders erschreckend (wenn doch das Wort nicht so abgegriffen wäre!!) ist es, dass die erste Stellungnahme („Das ist ein klarer Sieg für das Ja“) von dem Gründer und Leiter des Iona-Instituts kommt, der als konservativer Katholik gilt, der eine Kampagne für das „Nein“ geführt hat und nun den Siegern seine „Glückwünsche“ entbietet. Als ob es sich um eine Abstimmung über zwei gleichwertige und gleichermaßen respektable Angelegenheiten handelte!

Natürlich sind hier die Bischöfe in allerhöchstem Maße verantwortlich für das Desaster, ebenso wie der Klerus im allgemeinen. Es gibt Priester, die öffentlich in den Medien für das „Ja“ Stellung bezogen haben, zahlreiche Bischöfe haben geschwiegen, und wenn der irische Primas, Erzbischof Eamon Martin von Armagh, sich mit der angesagten Deutlichkeit über die Lehre der Kirche über Ehe und Familie ausgesprochen hat, so haben andere Bischöfe sich schlechthin geweigert, überhaupt Position zu beziehen. So hat der Erzbischof von Dublin, Diarmuid Martin, selbst und persönlich mehrfach erklärt, dass er selbst „Nein“ stimmen würde, dass es aber nicht seine Politik sei, „anderen vorzuschreiben, wie sie abzustimmen hätten“. In der Irish Times schrieb er, dass er sehr wohl seine eigene Meinung habe, wörtlich jedoch fügte er hinzu: „Ich habe keine Lust, anderen meine religiösen Ansichten aufzuzwingen“. Genau so. Und dann betonte er noch, dass er keinerlei Verbindung zu welchen Organisationen auch immer habe, welche das „Nein“ propagierten...

Auch der Bischof von Derry nahm an der Debatte teil, obwohl er kein Bischof in der Republik Irland ist. Er unterstrich, dass die Menschen in ihrem Abstimmungsverhalten frei seien, das wichtigste sei, dass sie ihre Entscheidung reiflich überlegten, denn man dürfe sich die Entscheidung „nicht leicht machen“. Und dann fügte er noch hinzu, man solle vor allen Dingen nicht „aus den falschen Gründen“ mit „Nein“ stimmen...

Und natürlich bezog sich der Erzbischof von Dublin auf den Papst: „Meine Einstellung ist dieselbe wie die des Papstes Franziskus, der in seinen Gesprächen rund um die Homoehe in Argentinien sagte, er sei gegen die Legalisierung der gleichgeschlechtlichen Ehe, in diesem Zusammenhang die Menschen aber auch gemahnt hat, niemanden zu verurteilen.“ (Der damalige Kardinal Bergoglio hatte in diesem Zusammenhang lediglich einen Brief an die Klöster (!) seiner Diözese geschrieben).

Gleichermaßen hatte die ehemalige Präsidentin Mary McAleese, die sich gerne als praktizierende Katholikin gibt, zur Abstimmung für das „Ja“ aufgerufen und als Beispiel zahlreiche irische Bischöfe angeführt, die sich „den Homosexuellen gegenüber offen gezeigt“ hätten. „Dieselbe Öffnung spüre ich bei Papst Franziskus.“

Man fragt sich: wird es einen Bischof oder irgendeine katholische Persönlichkeit geben, der oder die jetzt, und zwar mit höchstem Nachdruck, die Abschaffung der Präambel der irischen Verfassung verlangt? Denn mit der in dieser Verfassung zugelassenen Homo“ehe“ wird eben diese Präambel quasi blasphemisch: „Im Namen der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, von der alle Autorität kommt und auf die, als unserem letzten Ziel, alle Handlungen sowohl der Menschen wie der Staaten ausgerichtet sein müssen, anerkennen Wir, das Volk von Irland, in Demut alle unsere Verpflichtungen gegenüber unserem göttlichen Herrn, Jesus Christus, der unseren Vätern durch Jahrhunderte der Heimsuchung hindurch beigestanden hat,...“

Hat es während der Kampagne (die wir nicht verfolgt haben) wenigstens jemanden gegeben, der auf den abgrundtiefen Widerspruch, den unüberwindlichen Gegensatz zwischen dieser Präambel und dem zur Abstimmung gestellten Referendum hingewiesen hat? Man darf daran zweifeln. Und daran sieht man, bis zu welchem Punkt ein ehemals katholisches Volk betäubt, chloroformiert, verdummt werden konnte.

Und es ist und bleibt eine große Schande für die Männer der Kirche, für die verantwortlichen Hirten, dass in einem nominell katholischen Land als erstem Land der ganzen Erde die Homo“ehe“ durch ein Referendum institutionalisiert worden ist.

Für uns allerdings bleibt dieses alles eine Mahnung, sich immer genau Rechenschaft darüber abzulegen, was bei uns ganz persönlich an unserem Glauben lediglich gewohnheitsmäßige und folgenlose Fassade ist – und was wirklich reflektierter, bewusster, verantworteter Glaube ist.

JV

 

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