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„Instrumentum laboris“ ohne Naturrecht PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 12. Dezember 2014 um 12:45 Uhr

Kehre die Kardinäle dem Naturrecht den Rücken zu?In dem offiziellen Dokument, das zur Vorbereitung der Familiensynode im vergangenen Oktober diente, wird das Naturrecht als mehr oder weniger überholt dargestellt. „Es wird wohl das erste Mal sein, dass ein offiziöses kirchliches Dokument sich in dieser herablassenden oder zumindest äußerst missverständlichen Weise über das Naturrecht geäußert hat“ schreibt dazu Professor Walter Hoeres in einem Leserbrief in der „Tagespost“ vom gestrigen 11. Dezember. Hinter dieser Passage steht mit großer Wahrscheinlichkeit der deutsche Kardinal Kasper, der in einem Interview mit einer italienischen Zeitung fast gleichlautende Sätze von sich gegeben hatte.

In dem erwähnten Dokument heißt es „In der überwiegenden Mehrheit der Antworten und Bemerkungen erscheint heute in den verschiedenen kulturellen Kontexten das Konzept des Naturrechts als solches sehr schwierig, wenn nicht gar unverständlich… Wenn sich die Evolution, die Biologie und die Neurowissenschaft mit der traditionellen Idee des Naturrechtes befassen, kommen sie zu dem Schluss, dass es nicht wissenschaftlich ist.“

Wenn man dies ernst nimmt und als offizielle Stellungnahme der Kirche versteht, dann ist verständlich, warum die Synode zu Ergebnissen gekommen ist, die nicht nur dem Naturrecht, sondern der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche und insbesondere der Worte ihres Gründers, unseres Herrn Jesus Christus widersprechen. Dies bedeutet zugleich, dass solche Sätze alles, was wir in den letzten Jahrzehnten bereits erleben durften, in den Schatten stellen und das Rom von Feinden Christi besetzt ist. Denn dieser Satz bedeutet mit anderen Worten, dass die Zehn Gebote des Alten Testaments heute keine Bedeutung mehr haben, weil sie "nicht wissenschaftlich" sind. Die Zehn Gebote sind nämlich nichts anderes als ein Kurzfassung der grundsätzliche Gebote des Naturrechts.

Das Naturrecht ist keine kirchliche Sondermoral, sondern die Grundlage der gesamten Moral, oder um es mit anderen Worten zu sagen: Es gibt keine explizit katholische Moral, zumindest nicht in den Grundlagen, denn die Kirche hat sich stets am Naturrecht orientiert, das älter ist als das Christentum und dessen Grundlinien und Spuren sich in allen Hochkulturen finden.

Wie weit entfernt die Autoren dieser Sätze von einfachen philosophischen Prinzipien sind und insbesondere von einer scholastischen Ausbildung, zeigt das sogenannte „Argument“ gegen das Naturrecht. Wenn dieser Satz „dass es nicht wissenschaftlich ist“ von einem Szientisten gekommen wäre, hätte man nichts anderes erwartet. Aber offensichtlich sitzen in Rom in entscheidenden Gremien inzwischen solche Szientisten, zu denen sicherlich Herr Kasper gehört, der von Johannes Paul II. zum Kardinal erhoben wurde. Szientisten sind der Auffassung, dass uns allein die Naturwissenschaften („Evolution, die Biologie und die Neurowissenschaft“) sagen, was existiert. Wenn uns diese also mitteilen, dass es kein Naturrecht gibt, dann gibt es kein Naturrecht.

Was vom Szientismus zu halten ist, kann man in einem kürzlich veröffentlichten Blogbeitrag nachlesen und hier finden sich auch sachliche Argumente gegen diese Ideologie, die nun Eingang in die kirchliche Lehrverkündigung gefunden hat. Dass die Naturrechtstheorie heute tatsächlich nur schwer zu vermitteln ist, ist unumstritten. Doch die Frage ist dann, woran dies liegt. Es liegt unter anderem daran, dass die Seuche des Szientismus die Öffentlichkeit beherrscht und es wäre die Aufgabe nicht nur der Kirche, diese Ideologie zu kritisieren. Stattdessen wird diese Ideologie in kirchlichen Dokumenten als Argument gegen das Naturrecht angeführt.

 

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