Civitas Institut

Familiensynode: erste Wertung des Abschlußberichts PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 21. Oktober 2014 um 10:18 Uhr

Der skandalöse Zwischenbericht der Familiensynode stieß auf entschlossenen und harten Widerstand: der offenbar vom Papst inspirierte Versuch, die auf das Naturrecht und auf das Wort Gottes gegründete „Praxis“ der katholischen Moral zu ändern, ist gescheitert, weil die Verfasser des Zwischenberichts nicht nur zu weit, sondern sogar viel zu weit gegangen waren. Die Schockwellen, die sie ausgelöst haben, trafen sie dann letztlich selbst mit einer Wucht, die (trotz allem) staunen macht.

Davon ausgehend war schon zu erwarten, dass der Text des Schlußberichts erheblich abgemildert würde – aber dann doch nicht in dem Ausmaß, wie es geschehen ist. Der Text wurde nicht abgemildert, sondern grundlegend geändert, auch in jenen Textteilen, die nicht so sehr in die Diskussion geraten waren. Der Text ist insgesamt verbessert worden, insbesondere durch Bezüge auf lehramtliche Äußerungen der letzten Päpste. Dreimal wird auf Papst Johannes Paul II. Bezug genommen, was eigentlich von Anfang an hätte geschehen sollen, war doch jener Papst (bei allem, über das man unglücklich sein kann und muss) ein Verteidiger der christlichen Moral und Ethik.

Der Text ist so geändert worden, dass nur ein wirklich strittiger Punkt übriggeblieben ist. Dass es sich dabei um die „wiederverheirateten Geschiedenen“ geht, ist natürlich kein Zufall. Schließlich ist das eine der Obsessionen des gegenwärtigen Papstes.

Die Reaktion auf die mit dem Zwischenbericht versuchte Revolution war so geartet, dass außer dem Paragraphen über die „wiederverheirateten Geschiedenen“ zwei weitere Paragraphen nicht die notwendige Stimmenzahl von zwei Dritteln der Synodalen bekommen haben und somit zurückgewiesen wurden (auch wenn sie nach dem Willen des Papstes weiterhin im Text stehen): über die geistige Kommunion (auch hier geht es um die „wiederverheirateten Geschiedenen“) und über die Homosexuellen.

Nun sind diese beiden Abschnitte so redigiert, dass sie akzeptabel erscheinen. Natürlich liest man zwischen den Zeilen, wohin die ganze Angelegenheit gehen soll, und genau deshalb haben die Synodalen sie verworfen: der Bericht ist ein vorbereitender Text für die Synode im nächsten Jahr. Für sich genommen haben sie jedoch nichts unbedingt schockierendes.

Im Paragraph 53 liest man, dass „gewisse Väter es unterstützt haben, dass wiederverheiratete Geschiedene die geistige Kommunion fruchtbringend nutzen können“, dass „andere Väter sich gefragt haben, warum sie dann nicht auch zur sakramentalen Kommunion gehen können“, und dass dieses Thema vertieft werden muss, um die Besonderheiten der beiden Formen und ihre Verbindung mit der Theologie der Ehe herauszuarbeiten“. Ganz ohne Zweifel ist es die theologische Meinung der großen Mehrheit, dass man im Stand der Gnade sein muss, um geistig zu kommunizieren, das aber ist im Falle der „wiederverheirateten Geschiedenen“ ausgeschlossen. Tatsächlich hindert aber nichts die Überlegung der Frage „in Verbindung mit der Theologie der Ehe“ und zum Beispiel die klare Unterscheidung zwischen der „geistigen Kommunion“ im strengen Sinn und einer anderen Form der „Begierdekommunion“.

Der Paragraph 55 seinerseits besteht im wesentlichen aus zwei Zitaten des Lehramtes. Das erste erinnert daran, dass keinerlei Analogie zwischen homosexuellen Gemeinschaften und dem Willen und den Absichten Gottes über Ehe und Familie besteht. Das zweite erinnert daran, dass homosexuelle Menschen mit Respekt aufgenommen werden sollen (wie alle anderen Menschen auch) und keiner „ungerechten Diskriminierung“ ausgesetzt sein sollen. Es scheint, dass das Wort „aufgenommen“ als zweideutig angesehen wurde im Hinblick auf das, was man im Vorbericht und im Zwischenbericht geäußert hatte

Wirklich schwach ist der Paragraph 52, er ist derjenige, der die meisten Nein-Stimmen erhalten hat. Es gibt jedoch keinen Grund, sich darüber zu entrüsten, dass eine wenn auch recht kleine Mehrheit der Bischöfe für „Häresien“ gestimmt habe. Im Paragraph 52 gibt es (auch im weiten Sinn des Wortes) nicht mehr Häresie als in den beiden anderen. Man liest dort, dass die Väter „über die Möglichkeit eines Zugangs zum Sakrament der Buße und der Eucharistie für wiederverheiratete Geschiedene nachgedacht haben“. Es stimmt ja, dass sie darüber nachgedacht haben – zumindest haben sie darüber diskutiert. Weiterhin liest man, „eine gewisse Zahl von Vätern“ darauf bestanden haben, dass die bestehenden Regeln weiterhin gültig seien „wegen des fundamentalen Zusammenhangs zwischen der Teilnahme an der Eucharistie und der Gemeinschaft mit der Kirche und ihrer Lehre über die Unauflöslichkeit der Ehe“. Dann sagt der Text, dass „andere“ sich für einen „nicht generellen Zugang“ zu den bereits genannten Bedingungen ausgesprochen hatten, und er schließt mit der Bemerkung, dass „die Frage noch vertieft“ werden müsse.

Tatsächlich haben wohl einige Bischöfe mit „nein“ gestimmt, weil sie der Ansicht waren, dass es hier nichts zu vertiefen gibt, aber wirklich „häretisch“ dürfte an diesem Text schon deshalb nichts sein, weil ja überhaupt keine Entscheidung darin enthalten ist.

Ganz sicher wird der Papst im kommenden Jahr immer wieder auf diese Frage zurückkommen, Lobbys und Gruppen werden zusammen mit den progressistischsten Bischöfen das Thema auf altbekannte Weise „vertiefen“ und sich dabei der Unterstützung durch die Medien sicher sein können. Die Familiensynode 2014 hat aber ganz eindeutig gezeigt, dass es möglich ist, selbst diesem von der Welt bejubelten Papst und einem (viel zu großen) Teil der Kirche Grenzen aufzuzeigen, wenn sie versuchen, die katholische Moral zu zersetzen. Die Kirche bleibt die Kirche. Das soll nicht heißen, dass wir uns auf den Lorbeeren jener Bischöfe und Kardinäle ausruhen dürfen, die mutig für die Rettung der Wahrheit gekämpft haben. Der Kampf gegen die dauernden und unerträglichen Angriffe von bestimmter Seite wird weitergehen, es wird immer nötig sein, jene zu unterstützen, welche die Kirche ebenso sauber wie barmherzig halten wollen, so, wie sie immer war.

Das zeigt sich auch darin, daß der Papst in dieser Angelegenheit erheblich Federn gelassen hat, was ihn aber nicht daran hinderte, die zurückgewiesenen Paragraphen aus Gründen der "Transparenz" dennoch in den Text aufzunehmen, und zwar im Hinblick auf die Vorbereitung der Synode im nächsten Jahr: es soll glauben gemacht werden, sie seien integraler Bestandteil des Berichts. Bemerkenswert ist auch die Vorgehensweise (Stichwort "Transparenz"), gleich zu Beginn zu dekretieren, die Synode sei eine geschlossene Gesellschaft und es gebe für die Presse täglich eine Mitteilung über das, was sie wissen müsse; dann wurde dekretiert, daß die Texte der Kommissionen nicht veröffentlicht würden, bis man dann schließlich angesichts des recht allgemeinen Widerstands der Väter den Rückwärtsgang einlegen mußte...

Zum Zeitpunkt der Abfassung war trotz intensiver Suche keine deutsche Übersetzung des Berichts zu finden - aus welchen Gtründen auch immer; Grundlage ist deshalb der italienische Text, der auch die offizielle Version ist.

Trotz allem eine Schlußbemerkung: Pater Lombardi, der Pressesprecher des Vatikans, hat klargestellt, dass der Text kein lehramtliches Dokument ist. Das versteht sich von selbst, es tut aber gut, das zu hören.

JV

 

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