Civitas Institut

In memoriam Peter Scholl-Latour PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 19. August 2014 um 10:17 Uhr

Eine Alterssicherung habe er nicht, sagte Peter Scholl-Latour vor wenigen Jahren in einem Interview. Er arbeite mit dem Kopf, und solange der Kopf es zulasse, könne er auch arbeiten. Eines der interessantesten Leben unserer Epoche ist vollendet, er starb, seinem Wunsch entsprechend, in Rhöndorf, mit Blick auf den Rolandsbogen am Rhein, wie übrigens auch Konrad Adenauer.

Über das reiche Leben eines stets neugierigen Beobachters und auch Akteurs berichten, wie bekannt, etwa 30 Bücher, die Zeugnisse unserer Epoche sind. Erstaunlich, wie oft er mit seinem Urteil ins Schwarze traf, wie oft er mit seinen Einschätzungen recht behielt, bis ins sehr hohe Alter hinein. Wer ihm eine zu große Nähe zum Islam vorwirft, hat nicht begriffen, dass genau diese Nähe zu einem kompetenten Urteil unerlässlich ist – so wie z.B. ja auch Goethe sich intensiv dem Studium des Islam zuwandte, bevor er eine durchaus ablehnende Haltung entwickelte.

Die Stationen seines abenteuerlichen Lebens sind durch die vielen Nachrufe bekannt.

Weniger bekannt ist seine religiöse Haltung. Peter Scholl-Latour wurde katholisch erzogen und geprägt. In Interviews erzählte er mehrfach, dass er häufig bete, und zwar lateinisch. Wie so viele seiner Generation hatte er den Kontakt zur Kirche wohl verloren, war ihm der Glaube anscheinend Privatsache geworden. Und doch: in einer der ansonsten unerträglichen „Beckmann“-Talkshows aus dem Jahre 2011 stammelt der Namensgeber verwirrt Peter Scholl-Latour an: „Sagen Sie nicht, jetzt, dass Sie ähm die lateinische Mmmesse die lateinische Messe zurückhaben wollen...“ - Scholl-Latour, lächelnd: „Ja, auf jeden Fall. Ich bete sogar auf Lateinisch.“ - „Regelmäßig?“ - „Ich bete regelmäßig, ja. Nicht nur, wenn es mir schlecht geht.“ - „Sie gehen auch in den Gottesdienst?“ - „Eher selten, weil er mir nicht mehr so richtig gefällt. Im Grunde hat die Kirche eines nicht verstanden: dass der Prunk, den ja viele kritisiert haben, auch eine Anziehungskraft ist. Das hat die Ulla Hahn sehr schön beschrieben, die aus ganz einfachen Verhältnissen kommt. Für die war das große Fest in der Woche das Hochamt in der katholischen Kirche.“

Mit Peter Scholl-Latour ist einer der ganz Großen, vielleicht auch der letzte Große seines Faches gestorben, jemand, dessen Kompetenz und Autorität man sofort akzeptierte, auch wenn man in manchen Punkten ganz und gar nicht seiner Ansicht sein konnte. Seine kritiklose Verehrung für De Gaulle und seine Fehleinschätzung des Retters der katholischen Tradition gehören dazu, mindern aber keineswegs den Respekt vor der überlegenen Haltung und Leistung dieses Mannes.

Möge er in Frieden ruhen.

JV

 

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