Civitas Institut

St. Patrick's Day: Herzlichen Glückwunsch, Irland! PDF Drucken E-Mail
Montag, den 17. März 2014 um 07:41 Uhr

Der 17. März ist der Nationalfeiertag Irlands, jener Insel, die vom hl. Patricius missioniert wurde und als Insel der Heiligen galt. Die irische Geschichte war ganz und gar nicht ohne Leid, noch heute schwelen die Konflikte. Ein Blick auf die irische Geschichte.

 

Zunächst einmal war das Mittelalter nicht nur in Irland in Irland ganz und gar nicht finster. Gleich nach der Predigt des römischen Diakons Palladius, nämlich 432, kam der heilige Patrick (Patricius) nach Irland. Er war in Schottland geboren, als Sklave nach Irland verkauft worden und wurde der hochverehrte Apostel der grünen Insel. Die Christianisierung Irlands verlief in so wunderbarer und so tief, daß vom 6. bis 8. Jahrhundert das Land fast einem Kloster glich und sich völlig zurecht den Namen „Insel der Heiligen“ verdiente. Nicht genug damit; kein anderes Volk jener unruhigen Zeit hat eine der irischen vergleichbare Entwicklung genommen. Aus germanischen und sogar oberägyptischen und syrischen Anregungen entstand eine ganz eigene Bau- und Ornamentkunst, die wir heute als typisch keltisch ansehen, obwohl sie eine Synthese von Anregungen ist. Von der aufblühenden Musik ist uns nichts überkommen; sehr schnell entstand eine irische Literatursprache ohne Dialektunterschiede.


Irland ist eines der vielen herrlichen Beispiele der Befruchtung einer Kultur durch die Kirche, durch das Christentum, und es macht sich sehr bald daran, diesen Reichtum weiterzureichen. Schottland wird bekehrt, England missioniert, und irische Mönche stehen am Beginn der Christianisierung und des kulturellen Auflebens Mitteleuropas. Die Iren – ein apostolisches Volk, welches keinerlei weltliche, dafür aber um so mehr geistliche Eroberungen machte.

Der Katholizismus hatte den Iren ihre Eigenheiten gelassen (wie die Kirche es mit guten Eigenarten immer tut). Zu denen der Kelten gehört eine gewisse Anarchie, der Unwillen, sich einer starken Zentralmacht zu unterwerfen. So bestand die irische Kirchenverfassung aus vielen Bistümern, und das Land wurde im wesentlichen von fünf Herrschern beherrscht, die jedoch nicht immer freundlich miteinander umgingen und sich um den Vorrang stritten. Aus dem Zwang zur Abwehr der Wikinger (die im 8. Jahrhundert Dublin gründeten) entstand ein irisches Königtum, um das sich allerdings immer wieder Dynastien stritten. Genau dieses Königtum sollte Irland zum Verhängnis und zum Beginn einer bis heute dauernden Leidenszeit werden.

Der historische Wendepunkt ist bis auf den Tag genau auszumachen. Es ist der Tag, an dem ein König verbannt wird und sich an die englische Krone um Hilfe wendet. Im Jahr 1171 setzt Heinrich II. von England mit einem großen Heer über die irische See und unterwirft die irischen Fürsten und Bischöfe. Das ist der Beginn der englischen Präsenz.

Die Vergabe von irischem Land als Lehen für englische Lords bringt auch eine starke Verwaltung in das Land. Die englische Aristokratie assimiliert sich schnell. Im 14. Jahrhundert sind nur noch kleine Teile der Insel England ergeben, die restlichen englischen Feudalherren sind irischer als die Iren geworden und sind es bis auf den heutigen Tag.

Wo die Religion bleibt? Bis in die frühe Neuzeit hinein war das katholische Irland in der Lage, keltische, ägyptische, syrische, römische, normannische und englische Einflüsse zu vereinen und daraus eine ausgesprochen fruchtbare, hochstehende und offensichtlich attraktive Kultur zu machen. Das verlief nicht immer in reiner Harmonie; es gab sicher Rivalitäten, Streit, Kämpfe, und es wäre sehr unheimlich, wenn es nicht so menschlich zugegangen wäre. Das Unglück geschieht aber auch hier, wie so oft in der Geschichte, als die Religion instrumentalisiert wird. Und das Unglück ist mit Namen verbunden. Der erste ist Heinrich VIII. Nach seinem Bruch mit der Kirche schließt und enteignet er sehr bald die Klöster. Das tut er auch in Irland. Das Kirchengut verteilte er an Parteigänger und anglo-irische Lords, deren Ergebenheit er sich sichern will. Darauf folgt die massenhafte Ansiedlung von Engländern auf der irischen Insel. Heinrich nennt sich „König von Irland und Haupt der englischen Kirche“, eine weitere Herausforderung des tiefkatholischen Volkes. Neun Jahre dauert die Rebellion der Iren, dann ist sie verloren, und den Rebellen, den Verlierern, wird das Land weggenommen. Was dann noch bleibt, nehmen Elisabeth I. und Jakob I.

Die Drangsale gehen weiter: Es ist ein Katalog von Unterdrückungsmaßnahmen, der sich wie eine Verhöhnung der Iren im eigenen Land liest: Massenansiedlung protestantischer Schotten und Engländer, ein erneuter Aufstand und seine extrem brutale Niederschlagung durch Oliver Cromwell, der überzeugt davon war, Gott habe das Schwert in seine Hand gelegt, um Irland von der „verdammten Papisterei“ zu befreien. Von 1649 bis 1651 wütete er mit seiner Soldateska so, daß noch vor kurzer Zeit irische Mütter ihren ungezogenen Kindern drohten, sie würden den bösen Cromwell rufen, wenn die Kinder nicht brav seien.

Die Religion wird verfolgt. Die Priester müssen sich verbergen und geheim die Heilige Messe lesen und die Sakramente spenden. Die Treue zum Meßopfer müssen viele mit dem Leben bezahlen.

Immer wieder erheben sich die Iren, immer wieder wird Rebellenland konfisziert, immer drückender werden die Steuern. Eine gezielte Verelendung durch Handelsbeschränkungen, drückende Pachtzahlungen an die drei Viertel des Landes beherrschenden englischen Grundherren, der Zwang zur protestantisch-anglikanischen Religion.

Iren durften kein Land besitzen. Vollberechtigte Staatsbürger wurden sie nur (und Ämter blieben ihnen im eigenen Land sonst verschlossen), wenn sie den sogenannten „Testeid“ ablegten, einen Eid, in dem sie erklärten, den Glauben an die wirkliche Gegenwart Christi im allerheiligsten Altarssakrament, die Lehre vom Opfer der Messe, die Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria und der Heiligen für ketzerische Irrlehren zu halten. Es ehrt die ganz überwältigende Mehrzahl der Iren und der Nachfahren der eingewanderten Anglo-Iren, daß sie diese Gotteslästerung zurückgewiesen haben. Von 1673 bis 1829 galt dieser Eid – nicht nur für Irland, sondern in ganz Britannien.

Im Laufe der folgenden Jahrhunderte übernahmen die Iren von den Engländern Sprache und Lebensführung in wachsendem Maße. Sie hielten aber dem beständigen, auch dem stärksten Druck gegen den Glauben stand und wurden, bei Verlust fast aller sonstigen Identität, eben durch das geeint, was der Grund für die Verfolgung war: durch den gemeinsamen Glauben der Väter. 1703 wurde das „Gesetz zur Verhütung des weiteren Anwachsens des Papismus“ erlassen. Es bestimmte, daß kein Ire Land erwerben konnte. Pachtverträge durften nur für 31 Jahre abgeschlossen werden, der Pachtzins mußte wenigstens 2/3 des jährlichen Ertragswertes ausmachen. Grundbesitz eines Katholiken mußte unter seinen Erben aufgeteilt werden bis zur Unwirtschaftlichkeit, protestantisches Erbe blieb ungeteilt in der Hand des ältesten Sohnes. Gab es gemischt-religiöse Erben, erbten die Protestanten, die Katholiken gingen leer aus. Neun Zehntel der Bevölkerung in Irland waren katholisch, und doch waren überall die Bischöfe und Geistlichen der anglikanischen Staatskirche zu finden. 6 Millionen Katholiken waren der Kirche von 800 000 Protestanten zehntpflichtig, zahlten für 22 anglikanische Bischöfe und Tausende von Geistlichen Kirchensteuer. Das wurde für die Iren besonders dadurch unerträglich, daß die Protestanten keine Kirchensteuer zahlen mußten. 1861 umfaßte die anglikanische Kirche Irlands 2428 Pfarreien, davon zählten 1539 weniger als hundert und 199 gar überhaupt keine Angehörigen!

8 Millionen Iren lebten 1845 in ihrem Heimatland. Daß dann eine Krankheit die Kartoffelernten bis 1847 vernichtete, daß der Hunger regierte, daß trotzdem Getreide und Vieh in diesen Jahren nach England exportiert wurde, daß auch lange danach noch Iren zu Hunderttausenden auswandern mußten, um der Armut und dem Verhungern zu entkommen, daß weiterhin extensive Weidewirtschaft den Anbau von Nahrungsmitteln verhinderte, daß 1854 nur noch 6 200 000 Iren in ihrer Heimat lebten und 1926 noch 3 000 000 ...; noch so viel wäre zu schreiben über den Kampf der Iren um ihren eigenen Staat. 1922 wurde der Süden der Insel wieder souverän. Nord-Irland blieb weiter Teil Britanniens und wird bis heute von London aus verwaltet. Der Präsident des Freistaates wurde William Cosgrave, der wie sein Nachfolger Eamon de Valera, noch 1916 wegen seiner Teilnahme am Osteraufstand zum Tode verurteilt wurde, später aber begnadigt wurde. Beides tiefgläubige Katholiken, die trotz (oder gerade wegen) ihres hohen Amtes es sich nicht nehmen ließen, bei der Heilige Messe zu ministrieren.

Mit ihnen setzte die Rückbesinnung auf Tradition, Sitte, Gebräuche und die gälische Sprache ein. In den letzten Jahren, seit der Präsidentschaft von Mary Robinson, wird dieses Kapital verspielt. Seit 1990 wird eine versteckte Dekatholisierung des Landes durch Einführung der Errungenschaften unserer schönen neuen Welt betrieben. Die Zulassung der Ehescheidung brach den Damm für Abtreibung, Verhütung und Pornographie. Die Kirche macht nach dem II. Vatikanischen Konzil die schwerste Krise der irischen Geschichte durch. Der dramatische Rückgang der Berufungszahlen (z.B. Erzbistum Dublin 1997 weder Seminareintritte noch Priesterweihen!) und die dogmatische und moralische Krise in weiten Teilen des Klerus läßt den Katholizismus erkalten. Es bleibt ein säkularisierter Nationalismus.

Die 1919 gegründete Terror-Organisation Irisch-Republikanische Armee (IRA) wie auch die Partei Sinn Féin, ihr politischer Arm, war immer gespalten in mehr oder weniger nationalistische und marxistische Zweige. Alle „kämpften“, mordeten, erpreßten, schändeten nicht etwa für die römische Kirche, auch nicht für die katholische Sache. Die einen meinten, für ein unabhängiges (Nord-)Irland bomben zu müssen, die anderen dachten, so den Kapitalismus in England entscheidend zu treffen. Wenn auch immer sie katholisch waren oder sind, dann aus Identifikationsgründen.

Nein, es ist kein Religionskrieg. Es geht gar nicht um Religion, es geht nicht um quasi-“mittelalterliche“ Auswüchse von religionsgeschwängertem Fanatismus. Das Verstehen von katholischen Iren und protestantischen Engländern ist aufgrund der Geschichte so schwer, daß die Abschaffung der Religion rein gar nichts ändern würde. Das Vergessen von Geschichte löste keine Konflikte, denn es geht um das Bewahren der geschichtlichen Identität eines Volkes. Daß es diese mit Hilfe eines nie veruntreuten Glaubens findet, ist nicht Grund, Ursache oder Auslöser des Konflikts.

JV

 

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