Civitas Institut

Vor 135 Jahren geboren: Agnes Miegel PDF Drucken E-Mail
Montag, den 10. März 2014 um 14:57 Uhr

Die am gestrigen 9. März geborene Ostpreußin Agnes Miegel zählt, auch wenn sie heute verschwiegen wird und vergessen zu werden droht, zu den wirklich großen Dichtern unserer Sprache. Die „Orgel unter den Sprachen“ beherrschte sie in allen Registern meisterlich, und auch (und gerade!) uns Heutige können ihre Gedichte immer noch tief anrühren.

Ihre irrige und angeblich starre Haltung zum nationalen Sozialismus ist, falls sie so existierte, aus heutiger Sicht sicherlich zu verurteilen, wenn auch aus der Zeit heraus vielleicht verständlich. Sie darauf zu reduzieren ist allerdings eine Engführung, die so nicht hingenommen werden darf. Der aus seiner Zeitgebundenheit heraus möglicherweise höchst tragisch irrende Mensch Agnes Miegel sollte mindestens ebenso Verständnis und auch Verzeihung finden wie so manch anderer, der ebenfalls in die eine oder auch in die andere Richtung tragisch irrte (ja: es gibt zahlreiche Dichter, die den Sozialismus und Kommunismus verherrlichten, sogar Nobelpreisträger, die Oden an Stalin verfassten...!). Und die Wertschätzung ihrer jeglichen nationalsozialistischen Gedankengutes freier Werke, die sicherlich Bestand haben können, sollte dadurch nicht geschmälert werden: über dem Autor, über dem fehlenden Menschen steht immer die Qualität des Werks. Außerdem hat sie sich nach dem Krieg sehr wohl und nachdrücklich vom nationalen Sozialismus distanziert - und es kann beileibe nicht von allen kommunistischen Schriftstellern gesagt werden, daß sie ihrerseits ihren gefährlichen Irrtum eingesehen hätten. Beileibe nicht!

Ihr Eintreten für eine Versöhnung der Völker ist bestens belegt.

Der rechtsradikaler Umtriebe sicherlich völlig unverdächtige Willy Brand gehörte zu den zahlreichen Prominenten, die ihr ihre Aufwartung machten (1961), und selbst der „Literaturpapst“ Marcel Reich-Ranitzki nahm drei ihrer Balladen in seinen „Kanon“ auf. Der bilderstürmerische Eifer rühriger und wikipedia-gebildeter Straßen- und Schulen- Umbenenner, der die virtuose Dichterin z.B. durch Astrid Lindgren ersetzt, sagt mehr über die Qualität heutiger literarischer und historischer Bildung aus als über die äußerst bedauerliche Fehleinschätzung des nationalen Sozialismus durch Agnes Miegel.

Sie starb am 26.Oktober vor fünfzig Jahren in Bad Salzuflen.

Nicht ohne große Rührung hört man ihr Gedicht „Es war ein Land“, das – von ihr selbst gesprochen – auf youtube nachgehört werden kann:

 

„O kalt weht der Wind über leeres Land,

O leichter weht Asche als Staub und Sand!

Und die Nessel wächst hoch an geborstner Wand,

Aber höher die Distel am Ackerrand!

 

Es war ein Land, - wo bliebst Du, Zeit?

Da wogte der Roggen wie See so weit,

Da klang aus den Erlen der Sprosser Singen

Wenn Herde und Fohlen zur Tränke gingen,

Hof auf, Hof ab, wie ein Herz so sacht,

Klang das Klopfen der Sensen in heller Nacht,

Und Heukahn an Heukahn lag still am Strom,

Und geborgen schlief Stadt und Ordensdom, -

In der hellen Nacht, - der Johannisnacht!

 

Es war ein Land, - im Abendbrand

Garbe an Garbe im Felde stand.

Hügel auf, Hügel ab, bis zum Hünengrab

standen die Hocken, brotduftend und hoch,

Und drüber der Storch seine Kreise zog.

So blau war die See, so weiß der Strand

Und mohnrot der Mond am Waldesrand

In der warmen Nacht, - der Erntenacht!

 

Es war ein Land, – der Nebel zog

Wie Spinnweb, das um den Wacholder flog,

Die Birken leuchteten weiß und golden,

Und korallen die schweren Quitschendolden,

Die Eicheln knirschten bei Deinem Gehen

In den harten Furchen der Alleen.

Ein Stern nur blinkte, fern und allein,

Und Du hörtest im Forst die Hirsche schrein

In der kalten Nacht, – der Septembernacht.

 

Es war ein Land, – der Ostwind pfiff,

Da lag es still wie im Eis das Schiff.

Wie Daunen deckte der Schnee die Saat

Und deckte des Elchs verschwiegenen Pfad,

Grau fror die See an vereister Buhne.

Und im Haff kam Fischer und Fisch zur Wuhne.

Unter warmem Dach aus Stroh und Ried

Klappte der Webstuhl zu altem Lied:

Wi beid’, wi sönn noch jong on stark,

wie nähr'n ons möt eigne Hände, -“

 

Es war ein Land, - wir liebten dies Land, -

Aber Grauen sank drüber wie Dünensand.

Verweht wie im Bruch des Elches Spur

Ist die Fährte von Mensch und Kreatur, -

Sie erstarrten im Schnee, sie verglühten im Brand,

Sie verdarben im Elend in Feindesland,

Sie liegen tief auf der Ostsee Grund,

Flut wäscht ihr Gebein in Bucht und Sund,

Sie schlafen in Jütlands sandigem Schoß, -

Und wir letzten treiben heimatlos,

Tang nach dem Sturm, Herbstlaub im Wind, -

Vater, Du weißt, wie einsam wir sind!

Nie zu klagen war unsre Art,

Du gabst und Du nahmst, - doch Dein Joch drückt hart!

Vergib, wenn das Herz, das sich Dir ergibt,

Nicht vergißt, was zu sehr es geliebt.“

 

Weitere Informationen über die große deutsche Dichterin und die Widerlegung der Falschinformationen auf "Wikipedia" findet man u.a. hier und auf der Seite der Agnes-Miegel-Gesellschaft.

JV

 

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