Civitas Institut

Ukraine: ein wenig Geopolitik PDF Drucken E-Mail
Dienstag, den 25. Februar 2014 um 08:29 Uhr

Geopolitik ist ein solides Instrument zur politischen Urteilsfindung und deshalb bei unseren Nachbarn durchaus gängig. In Deutschland steht sie noch arg im Schatten, hatte doch einer ihrer herausragenden Vertreter im 20. Jahrhundert einflußreiche Kontakte zu Hitler – was nun sicher nicht der Geopolitik anzulasten ist. Ein geopolitisch und historisch orientierter Blick auf die Geschehnisse in der Ukraine hilft über die manipulative Berichterstattung in den BRD-Medien hinweg.

Russisch solle nun nicht mehr die zweite Amtssprache in der Ukraine sein, hieß es nämlich in den heutigen Morgennachrichten. Man horcht auf: schien doch die Ukraine bisher durchweg russisch geprägt. Nähere geopolitisch-historische Beschäftigung mit dem Thema öffnet die Augen.
In der Ukraine hatte die Mafia der Oligarchin Julia Timoschenko, gestützt (um nicht zu sagen benutzt) von den westlichen Mächten, die Mafia des Oligarchen Viktor Janukowitsch am Ende der sogenannten orangenen Revolution entmachtet. Dann wiederum, in den folgenden Wahlen, entmachtete die Mafia Janukowitschs die Mafia Timoschenkos. Und nun hat die Mafia Timoschenkos mit einer neuerlichen Revolution auf der Straße ihrerseits die Mafia Janukowitschs entmachtet.
Und selbstverständlich gratulieren sich die Westmächte zu dieser Rückkehr zur Demokratie. Kommissar Olli Rehn erklärt, die EU sei bereit, mit mehreren Milliarden Euro Hilfe zu leisten, und Catherine Ashton eilt nach Kiew, um mit den „neuen Autoritäten“ über die EU-Hilfe zu sprechen...
Hier ist es nun an der Zeit, festzustellen, dass es die Ukraine tatsächlich gar nicht gibt. Und es scheint, dass der eine oder andere angesichts dessen, was sich im Osten des Landes abspielt, zu verstehen beginnt und erschrickt... Ein großer Teil der Ukraine ist in Wirklichkeit russisch: dort spricht man russisch, und die Kirche gehört zum Patriarchat Moskau. Die „Kiewer Rus“ ist sogar die historische Wiege Rußlands. Der kleine westliche Teil hingegen, rund um Lwow (ukrainisch Lwiw, deutsch Lemberg) ist historisch polnisches Land (polono-ukrainisch), die dortige ukrainische Kirche ist griechisch-katholisch, und die autokephale orthodoxe Kirche ist von Moskau nicht anerkannt.
Darüber hinaus erstaunt eines, nämlich wie sehr die Westmächte wieder einmal für die Straße, gegen die gewählten Autoritäten Partei ergriffen haben. Hier wird anscheinend der Demokratie-Begriff verändert. Das begann mit den verschiedenen „arabischen Frühlingen“ unter dem Vorwand, die Straße leiste Widerstand gegen Diktatoren. Und infolge des arabischen Frühlings begann diese Veränderung in Ägypten. In diesem Land gab es Wahlen, die soweit möglich völlig regulär abliefen. Also gab es eine demokratisch gewählte und legitimierte Regierung, die allerdings fatalerweise islamistisch war. Dann aber demonstrierte die „demokratische“ Straße, die von den USA finanzierte Armee stürzte „demokratisch“ die Regierung. Und seither ist überall die Straße demokratisch und die gewählte Regierung ist diktatorisch, siehe Tunesien, Türkei, Griechenland, Ukraine, und neuerdings Venezuela.
Wobei man es nicht vermeiden kann, an unsere Nachbarn auf der anderen Rheinseite zu denken. Dort sind viele hunderttausende Demonstranten auf der Straße keineswegs demokratisch. Liegt es an dem, was sie fordern?
JV
 

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