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Bürgerkrieg in Frankreich: die Republik gegen das Christentum PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 31. Januar 2014 um 20:17 Uhr

Pierre Manent ist Philosoph und Mitbegründer der Zeitschrift „Commentaires“. Sein Kommentar zur in Deutschland weitgehend verschwiegenen Lage in unserem sozialistisch regierten Nachbarland: In Frankreich herrscht Bürgerkrieg: die Republik gegen das Christentum. Und: „Die Vorkämpfer der Rechte wollen eine 'neue Unschuld' fördern.“ Und weiter:

„Das, was wir Laizität nennen, ist der juristische Ausdruck für einen Bürgerkrieg, der von einer Partei gewonnen und von der anderen Partei verloren wird. Das republikanische Frankreich hat das katholische Frankreich unterworfen, und das katholische Frankreich hat das akzeptiert. Heute erleben wir die Fortsetzung dieses Bürgerkrieges.“ Niemand dürfte einen angemesseneren Überblick über das haben, was als eine Spaltung des westlichen Liberalismus erscheint, der aus zwei Revolutionen hervorgegangen ist, als Pierre Manent, Mitbegründer der Zeitschrift „Commentaires“, Autor zahlreicher grundlegender Essays über den Liberalismus, ein vielseitiger Gelehrter, der einen Kommentar über Ciceros „de officiis“ und über Adam Smiths „Theorie der ethischen Gefühle“ sowie über die Summa Theologiae des hl. Thomas von Aquin verfasst hat. Die französische Revolution, die aus der Aufklärung hervorging, hasste Gott, und die Gründerväter der amerikanischen Revolution trennten die Kirche vom Staat, um erstere vor letzterem zu schützen. In Frankreich soll genau das Gegenteil geschehen.

Laizistische Parolen auf den Fassaden aller Schulen, obligatorische Sexualkundekurse für Kinder ab sechs Jahren, Pläne für eine Kalenderreform mit der Einführung laizistischer statt katholischer Feiertage, Gesetze, welche die Meinungsfreiheit bezüglich der Abtreibung knebeln, Teilnehmer an der „Demo für alle“ verhaftet, nur weil sie schweigend protestieren: Frankreich erbebt unter einem kämpferischen Laizismus. Anne Coffinier, Leiterin der „Stiftung für die Schule“, erklärt, dass sich Frankreich an der Wende zu einem petainistischen „Erziehungsstaat“ stehe. Die Aktion „Ein Tag im Monat ohne Schule“ sorgt für viele Fehlzeiten in der Schule und plant versuchsweise Projekte gegen den vom Unterrichtsministerium geplanten Sexismus in der Schule. Dem Ministerium wird vorgeworfen, die „Gendertheorie“ schon vom Kindergartenalter an erzwingen zu wollen, ein Vorwurf, den der Unterrichtsminister Vincent Peillon als „völlig falsch“ bezeichnet.

„Die sozialistische Regierung hat eine neue progressistische Ideologie ins Leben gerufen“, sagt Manent der Zeitschrift „Foglio“. „Eine Ideologie, in der die Demokratie völlig ihrer Bedeutung entleert und auf eine Reihe von individuellen Rechten reduziert wird. Sie haben den Sinn für die Wirklichkeit vollkommen verloren. Es handelt sich hier um eine höchst aggressive Vision von Gleichheit und Freiheit, von einem Leben ohne die Bindung an das Gemeinwohl. Es zählen nur individuelle Rechte, es zählt nur die Bedürfnisbefriedigung. Einige Sozialisten halten sich für die zivile und moralische Avantgarde.

Diese Befugnisse beanspruchen sie im Namen eines neuen Menschen, der nichts mit der wirklichen Geschichte Europas zu tun haben will, nichts mit dem langen Kampf zwischen den Völkern, Religionen und Philosophien. Ihr einziges Programm ist es, ihre neue Art von Unschuld zu bewahren und zu befördern. Das hat zu einer Verzweiflung im öffentlichen Leben Frankreichs geführt, zu einem Hass auf die katholische Kirche und auf ihren Appell zur Einigkeit des Landes. Auf den Straßen herrscht Angst, und in den Familien herrschen Wut und Verzweiflung. Nehmen wir die Femen, die mit ihren bilderstürmerischen und antichristlichen Botschaften in französische Kirchen eindringen. „Warum wurden die nicht von Polizei und Justiz verfolgt? Frankreich ist zutiefst und heftig antichristlich geworden.“ Laut Manent geht es nicht um eine „positive Laizität“ wie in Amerika, noch um die „identitäre Laizität“ europäischer Konservativer, sondern um eine aggressive, militante „oppositionelle Laizität“. Bei der französischen Laizität ging es schon immer um die Verdrängung der Kirche aus dem öffentlichen Raum, ein Projekt, das Erfolg hatte, weil es den Bürgern einen neuen Moralkodex anbot“, sagt Manent. „Und in diesem Projekt wird die Kirche als Feind der „République“ gesehen.“

Der Verrat an der Mahnung Montesquieus

In „La cité de l'homme“ hat der französische Soziologe das Paradoxon des Westens erklärt, welches darin besteht, dass die Ablehnung von Religion und Naturrecht im Namen der staatlichen Eigengesetzlichkeit bzw. Autonomie dazu führt, dass der Sinn für das Menschliche verlorengeht. „Das Entfernen der Religion aus dem öffentlichen Raum schwächt die Nation und ihr Gewissen,“ so Manent. „Die Demokratie ist dann keine Polis, sondern lediglich die Forderung nach immer neuen Rechten. Minister Peillon, vor seinem Eintritt in die Politik Berufsphilosoph, hat das ganz klar gesagt: „Die französische Revolution ist noch nicht beendet. Die Laizität muss eine neue Religion werden, die an die Stelle des katholischen Obskurantismus tritt; Peillon sagt, das sei so etwas wie eine neue Geburt, eine Transsubstantiation, die in der Schule und für die Schule wirkt, die neue Kirche mit ihren neuen Priestern, ihrer neuen Liturgie und neuen Gesetzestafeln. In keinem anderen Land Europas hatte der Laizismus sich so eindeutig das Ziel gesetzt, die Religion hinwegzufegen und die Bürger zum Laizismus zu zwingen. Dieser Plan ist gefährlich, denn – wie schon Montesquieu sagte – die uniforme Gleichheit ist die Schwester des Despotismus.“

Quelle

Übers.: JV

 

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