Civitas Institut

Die Unauflöslichkeit der Ehe PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 19. Dezember 2013 um 19:23 Uhr

Mit abstoßender Hartnäckigkeit werden von bestimmten Kreisen seit langem und immer wieder Forderungen an die Kirche gestellt, die nicht erfüllt werden können, ohne in Häresie und Schisma abzugleiten: es handelt sich um Forderungen, die von der Lehre der Kirche schon immer verurteilt wurden, ganz einfach auch deshalb, weil sie gefährlich und schädlich sind. Das gilt auch für die gewollte faktische (und unmögliche) Anerkennung der Ehescheidung durch die Kirche.

"Wann begann eigentlich die „sexuelle Revolution“? Man meint, eine schnelle Antwort finden zu können; die meisten würden sagen, es war zu Beginn oder in der Mitte der 60er Jahre, ein Datum wäre die Veröffentlichung der Bücher von Germaine Greer, ein anderes die Erfindung und Kommerzialisierung der Pille. Ist das so?

Wenn man dann noch ein wenig Zeit zum Nachdenken lässt, korrigieren die meisten dann ihre Antwort: die Ursprünge der sexuellen Revolution liegen wohl doch tiefer in der Zeit zurück. Vielleicht war es, als Germaine Greer und andere „akademische“ Feministinnen ihre Ideen an den Universitäten entwickelten und als Dr. Pincus, der Erfinder der „Pille“, seine wissenschaftliche Arbeit begann. Es würden aber alle (oder wenigstens die allermeisten) darin übereinstimmen, dass das zur Zeit der Veröffentlichung der berühmten Enzyklika „Humanae vitae“ Pauls VI. über die künstliche Geburtenkontrolle schon lange kein Thema mehr war und dass man sogar vergessen hatte, dass es da überhaupt ein Problem gab.

Aber wie kam es zu dem Deichbruch? Wie konnte es geschehen, dass die Sitten einer ganzen Zivilisation im Laufe einer einzigen Generation so radikal geändert wurden? Gab es so etwas wie eine „Ur-Sünde“, aus der dann alles weitere folgte? Wie war es möglich, dass alles dieses so schnell geschehen konnte, nach all den Jahrhunderten, in denen die ganze Christenheit nach dem Fall des römischen Reiches ihr tägliches Leben und die Grundlagen ihrer Politik auf der Basis der Ehe, der Fortpflanzung und der Kindererziehung gegründet hatte?

Ein einfacher Blick in die Geschichte zeigt, dass die für die heutige Zeit so typische sexuelle Unordnung nicht etwa im 20. Jahrhundert begonnen hat. Heute können wir feststellen, dass die ersten gesetzlichen Schritte zur Zerstörung in der Aufweichung der Ehegesetzgebung im 19. Jahrhundert bestehen. Ohne die gesetzlich garantierte Bastion der unauflöslichen Ehe sind die Stützpfeiler, die alles halten, was die Familie betrifft, einer nach dem anderen geschwächt wurden, um dann schließlich ganz eingerissen zu werden. Und schon seit langem hatte die Kirche genau davor gewarnt.

Papst Leo XIII, eine der ganz großen Persönlichkeiten der katholischen Geschichte, veröffentlichte 1880 die Enzyklika Arcanum divinae sapientiae („Der geheimnisvolle Ratsschluss der göttlichen Weisheit“) mit dem Untertitel „Über die christliche Ehe“. Sie war die vierte Enzyklika einer beeindruckenden Reihe von insgesamt 85 Enzykliken. Die Päpste wählen die Themen ihrer Enzykliken nicht nach dem Zufallsprinzip, und schon die Tatsache, dass diese gleich zu Beginn seines Pontifikats erscheint, macht eindeutig klar, dass Leo XIII. über den Zustand der Ehe höchst beunruhigt war, und er stellte eine Verbindung zwischen ihren erhaltenden und schützenden Eigenschaften und der Würde der Frau her.

Vielleicht kann uns der Paragraph 29 einen Hinweis auf den Uhrgrund der gesellschaftlichen Katastrophe geben, die wir jetzt erleben. Leo XIII. stellte eindeutig den Schutz der Familie mit dem Schutz der Frauen und Kinder gleich – und auch mit dem Schutz des Staates. Er schreibt: „Wie viele Übel sich aus den Ehescheidungen ergeben, braucht man kaum zu erwähnen.“

Der Rest dieses Abschnittes ließ mich augenblicklich an die Warnungen denken, die Papst Paul VI. fast 90 Jahre später gegen die künstliche Empfängnisverhütung aussprach. Leo XIII. schreibt über die Scheidung:

Durch sie werden die Ehebündnisse wandelbar; die gegenseitige Liebe wird abgeschwächt; der verderblichen Verlockung werden die Schleusen geöffnet; Erziehung und Unterricht der Kinder erleiden Schaden; die häusliche Gemeinschaft beginnt sich zu lockern; in den Familien wird Zwietracht gesät; die Würde der Frau wird geschmälert und erniedrigt, da ihr die Gefahr droht, verlassen zu werden, nachdem sie der Lust des Mannes gedient hat. - Und da nichts so sehr die Familien zu verderben und die Macht ganzer Reiche zu brechen vermag wie Sittenverderbnis, lässt sich leicht einsehen, dass die Ehescheidungen dem Gedeihen der Familien und der Staaten äußerst schädlich sind; in der Sittenverderbnis der Völker verwurzelt, öffnen sie erfahrungsgemäß Tür und Tor zu noch größerem Unheil im privaten und öffentlichen Leben.“

Wenn man die Ursprünge der sexuellen Revolution betrachtet, so findet man den Weg, den man durch die Zeit zurücklegt, mit kleinen Steinchen besät. Allgemein wird zugegeben, dass diese Revolution durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren ausgelöst wurde; meistens jedoch wird die hormonale Empfängnisverhütung für den wichtigsten unter ihnen gehalten. Allgemein wird zugegeben, dass die Pille zwischen 1951 und 1957 durch Dr. Gregory Pincus erfunden wurde. Dr. Pincus ist ein Bekannter von Margaret Sanger, die ihn bei der Suche nach Finanzmitteln seiner Forschung unterstützte.

Margaret Sanger war die Gründerin der später weltweiten Organisation Planned Parenthood International; sie war notorische Rassistin und Eugenikerin. Ihre Tätigkeit begann sie im Jahr 1916. In ihren Schriften hat sie nie verheimlicht, dass alles Teil ihres eugenischen Programms war (später beeinflussten ihre Schriften Hitler und das deutsche eugenische Programm, und zwar bereits vor dem zweiten Weltkrieg).

Wenn man noch weiter zurückgeht, stößt man darauf, dass die sexuelle Revolution als gesellschaftliche und moralische Umwälzung, welche die Bastion der traditionellen Familie aushöhlte und schließlich in ihre Einzelteile zerlegte, schon ein Teil der Schlüsselziele in den marxistischen Schriften war, und zwar bereits seit den Arbeiten Engels', der die Übel der „monogamen Familie“ beschrieb. Sein Buch über dieses Thema heißt „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats“, erschien 1884 und ist immer noch verfügbar, wird in den Universitäten immer noch genutzt.

Engels sah in Ehe und Familie ein Unterdrückungsinstrument, und seine Schriften lassen den modernen, gegen die Familie gerichteten Feminismus klar hervorscheinen. Es ist ja für niemanden ein Geheimnis, dass der akademische Feminismus, der heute in einem großen Teil der westlichen Welt vorherrscht, ein Produkt des Marxismus ist – außer für den kleinen Mann auf der Straße. Aber selbst da, als Engels vorgab, aus jahrhundertelanger Erfahrung heraus zu schreiben, zog die Kirche ganz andere Schlüsse aus der Vergangenheit.

Leo XIII. bezog sich ebenfalls auf die Welt der Antike um vor dem zu warnen, das insbesondere auf die Frauen zukäme, wenn die christliche Welt wieder auf den sittlichen Stad der Römer in der Antike zurückfielen, die sich praktisch von jetzt auf sofort problemlos trennen konnten. Die Völer, sagt er, „vergaßen mehr oder weniger den wahren Begriff und Ursprung der Ehe“. „Außerdem wirkten Vielweiberei, Vielmännerei und Ehescheidung stärkstens auf die Lockerung des ehelichen Bandes“, woraus sich der unglückliche Stand der Frau ergab, „die in ihrer Erniedrigung fast nur noch als ein Werkzeug betrachtet wurde, bestimmt zur Befriedigung der Lust oder um Nachkommenschaft zu erhalten“.

Die Kirche, fuhr Leo XIII. fort, hatte die Ehe so wiederhergestellt, wie sie von Anfang an von Gott gewollt war, und sie verteidigte sie gegen alle Übergriffe machtgieriger weltlicher Herrscher. Zu den Zeiten Leos XIII. jedoch hatte der Teufel, der „geschworene Feind des Menschengeschlechts“, Menschen hochkommen lassen, welche „die Wiederherstellung und Vervollkommnung der Ehe verachten beziehungsweise völlig misskennen“.

In unseren Tagen“ gab es Menschen, „die das Wesen der Ehe, das in jeder Hinsicht vollkommen und abgerundet ist, lieber von Grund aus zerstören möchten“. So geartete Geister, „befangen von den Vorurteilen einer falschen Philosophie und verderbter Gewohnheit, nichts lästiger finden, als untergeordnet zu sein und zu gehorchen, und daher mit allen Kräften darauf hinarbeiten, dass nicht bloß die einzelnen, sondern auch die Familien und die gesamte menschliche Gesellschaft Gottes Oberherrschaft hochmütig verachten“.

Angesichts unserer heutigen Konfrontation mit der Hypersäkularisierung ist es höchst interessant, zu sehen, wie Leo XIII. in den Angriffen auf die Ehe letztlich auch eine Stärkung der Autorität des laizistischen Staates sah, und zwar zu Lasten der Kirche. Es gibt sogar Abschnitte, in denen die Warnungen der Enzyklika deprimierend bekannt vorkommen:

Da sowohl die Familie wie die gesamte menschliche Gesellschaft ihre Quelle und ihren Ursprung in der Ehe hat, ertragen sie es nicht, dass diese der Gerichtsbarkeit der Kirche unterstehe; vielmehr geht ihr Streben dahin, sie ihres heiligen Charakters gänzlich zu entkleiden und in den niedern Kreis jener Objekte zu bannen, die durch die menschliche Autorität geordnet und nach dem bürgerlichen Recht der Völker verwaltet und gerichtet werden. Als notwendige Folge ergab sich hieraus, dass sie den weltlichen Herrschern alle Gerichtsbarkeit über die Ehe zuteilten und der Kirche vollständig absprachen; wenn diese je auf diesem Gebiet eine Gewalt besessen habe, so sei dies entweder durch Gnade der Fürsten oder zu Unrecht geschehen. Nun aber, sagen sie, sei es Zeit, dass die Lenker der Staaten ihre Rechte mannhaft zurückfordern und daran gehen, das Ehewesen ganz nach ihrem Gutdünken zu ordnen. Hieraus entstand die sogenannte Zivilehe.“

Leo XIII. erwähnt keinen speziellen Staat. Zu seiner Zeit jedoch galt in Großbritannien bereist der „Matrimonial Causes Act“ (Gesetz über Eheangelegenheiten) von 1857, welcher den Kirchengerichten die Zuständigkeit für Ehescheidungen entzog und sie den bürgerlichen Gerichten zusprach, was aus der Ehe eine Vertragsangelegenheit machte und eben nicht mehr die Anerkennung eines religiös begründeten Sakraments durch den Staat. Das Gesetz wurde damals von einigen Parlamentsmitgliedern bekämpft, weil sie fürchteten, dass hier die Rechte und die Autorität der etablierten Kirche von England beschnitten würden.

Vor diesem Gesetz musste der Scheidungswillige nachweisen, dass der andere Ehebruch begangen hatte, und die Scheidung wurde nur als Annulierung oder durch einen besonderen Akt des Parlaments ausgesprochen. Nach Inkrafttreten des Gesetzes im Jahre 1857 wurde es immer wieder, Stück für Stück neu angepasst, bis 1973 die Bewohner von England und Wales sich wegen Ehebruchs oder „unangemessenen Verhalten“, was auch immer zwischen chronischem Alkoholismus und getrenntem Leben damit gemeint sei, scheiden lassen konnten. Laut der Daily Mail ist die Scheidungsrate in Großbritannien die höchste in der ganzen EU. Seitdem gibt es eine geringere Zunahme der Scheidungsraten, das liegt aber vor allem daran, dass immer weniger Leute überhaupt eine Ehe eingehen.

Abgesehen davon, dass sie der Fortpflanzung des Menschengeschlechts dient, verdanken ihr die Gatten ein besseres und glücklicheres Leben“, schrieb Leo XIII. im Jahre 1880. Und er fuhr fort: „Von solchen Ehen aber können die Staaten mit Recht ein kommendes Geschlecht von Bürgern bester Gesinnung erwarten, die an Gottesfurcht und Gottesliebe gewöhnt, es als ihre Pflicht erachten, den gerechten und legitimen Regierungen zu gehorchen, alle zu lieben und niemandem zu schaden.“

Im Sommer vor zwei Jahren gab es überall in Großbritannien Aufstände von „Jugendlichen“, die Geschäfte plünderten, Häuser und Büros in vier Großstädten anzündeten. Diese Vorfälle standen weltweit an der Spitze der Nachrichten in den Medien; seltsamerweise sind sie inzwischen so gut wie völlig vergessen. Damals bemängelten die stark links orientierten britischen Medien den Mangel an sozialen Diensten. Ein Mann jedoch, ein Sozialarbeiter in stark gefährdeten Vierteln britischer Städte, machte die Zerstörung der Familie verantwortlich. Die Burschen, die Abfalleimer in die Schaufenster der Geschäfte schleuderten, hatten nie einen Vater gekannt, sie waren vom Staat erzogen worden.

Eine besser Bildunterschrift könnte für die Bilder von Jugendlichen, die wähend der Plünderungen grinsten und lachten, könnte kaum gefunden werden als eben jene Verurteilung der Scheidung, jene Warnung Leos III. vor der Scheidung: „Und da nichts so sehr die Familien zu verderben und die Macht ganzer Reiche zu brechen vermag wie Sittenverderbnis, lässt sich leicht einsehen, dass die Ehescheidungen dem Gedeihen der Familien und der Staaten äußerst schädlich sind.“

„Wie viele Übel sich aus den Ehescheidungen ergeben, braucht man kaum zu erwähnen.“

Wie wahr."

Der Artikel ist die Übersetzung (Übersetzung: JV) eines Artikels von Hilary White auf dem englischsprachigen Blog LifeSite. Die bedeutende Enzyklika Leos XIII. haben wir aktuell online gestellt: Arcanum Divinae Sapientiae.

JV

 

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