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Ja-Sager statt Dichter und Denker PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 03. Juli 2013 um 06:24 Uhr

Der Sozialforscher Bernhard Heinzlmaier beklagt in seinem neuen Buch die Verdummung der deutschen Jugend. - Der Wiener Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier hat eine systematische Verdummung der heranwachsenden Generation beklagt. Ursache sei ein Verschwinden der humanistischen Wertevermittlung im Bildungssystem und eine Gesellschaft, in der nur noch ökonomische Erfolge zählten, sagte Heinzlmaier bei der Vorstellung einer Streitschrift in Berlin. “Wir erziehen keine selbstkritischen, demokratiefähigen Menschen mehr”.

Statt Bildung gebe es nur noch Ausbildung, damit die Menschen im Betrieb funktionierten. Heinzlmaier ist Mitgründer des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien. In Hamburg leitet er das Marktforschungsunternehmen tfactory.

Als Beleg für seine Thesen führte der Forscher unter anderem die Pisa-Studien der Wirtschaftsorganisation OECD an, in denen Schulleistungen untersucht werden. Deren Gradmesser für Schulerfolg ordneten das Bildungs- dem Wirtschaftssystem unter. Priorität habe technisches und naturwissenschaftliches Wissen. Human- und Geisteswissenschaften würden zurückgedrängt.

Im Kreuzberger Archiv der Jugendkulturen stellte Heinzlmaier sein Buch “Performer, Styler, Egoisten. Über eine Jugend, der die Alten die Ideale abgewöhnt haben” vor. Es fasst nach seinen Worten die Ergebnisse aus über zehn Jahren Forschungsarbeit in Deutschland und Österreich zusammen.

In diversen repräsentativen Studien hatten Heinzlmaier und sein Team Tausende Heranwachsende zu ihren politischen Einstellungen und Idealen befragt. In Österreich wird über die Streitschrift seit einigen Wochen hitzig debattiert, die erste Auflage ist laut Verlag vergriffen.

Ein nicht gerade rosiges Bild zeichnet da Bernhard Heinzlmaier vom Institut für Jugendkulturforschung in seinem neuen Buch. Er beklagt etwa eine “Bildungsmisere höchster Güte”. Bildung werde durch Ausbildung ersetzt und kritische Reflexionen seien nicht mehr gefragt.

“Leben ist kein Vergnügen mehr”, schreibt Heinzlmaier im Vorwort. Anstelle von Selbstverwirklichung und der puren Freude am Dasein regierten Zukunftsangst und Depression den Alltag. “Eine menschenverachtende Leistungsideologie, propagiert von durch Ehrgeiz und Allmachtsfantasien getriebenen Neo-Yuppies, ist dabei, die für das Zusammenleben der Menschen so wichtigen Werte wie Toleranz, Solidarität, Gerechtigkeit und Mildtätigkeit zu verdrängen.” Die noch nicht komplett angepassten Jungen seien verzweifelt, ließen ihren Frust auf der Straße raus oder flüchteten sich in Gleichgültigkeit gegenüber der Gesellschaft.

Heinzlmaier ortet vor allem Probleme im Bildungssystem. “Gut ausgebildete kalte TechnokratInnen, dazu erzogen, ihre Projekte voranzutreiben, ohne dabei an die gesellschaftlichen Folgen zu denken, sollen den noch verbliebenen Rest der humanistischen Eliten ersetzen.” Die Bildung werde systematisch den Interessen der Wirtschaft untergeordnet. Widerstand gegen die “sich ausbreitende geistige Monokultur und bildungspolitische Uniformität” sei angesagt, betont Heinzlmaier, der sich auch nicht damit anfreunden kann, dass Kinder “obligatorisch in ganztägige Zwangsanstalten eingewiesen werden” sollen.

In den Bildungsinstitutionen werde der Jugend wenig Anleitung zur kritischen Reflexion gegeben, meint der Autor. Heinzlmaier attestiert der Jugend dann auch das Motto “Nach mir die Sintflut”.

 

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