Civitas Institut

Eheverständnis: die Protestanten haben ein Problem PDF Drucken E-Mail
Samstag, den 08. Juni 2013 um 10:25 Uhr

Luther soll gesagt haben, die Ehe sei ein weltlich' Ding. Infolgedessen hatten die Protestanten kein Problem, die seit Bismarck zwangsweise vor dem protestantisch-preußischen Staat geschlossenen Ehen als solche für gültig anzuerkennen. Heute aber ist das auch für Protestanten ein Problem, obwohl viele von ihnen das noch nicht sehen.

Gegen den erklärten Willen der Mehrheit des französischen Volkes hat kürzlich der sozialistische Präsident Hollande die Öffnung der (staatlichen) Ehe für Homosexuelle brutal erzwungen. Gänzlich ohne jeden Protest der Bevölkerung wurde der Weg zur Öffnung der Ehe für Homosexuelle vom britischen Oberhaus am 4. Juni freigemacht, in der BRD hat am 6. Juni – ebenfalls ohne jeglichen Protest – das Bundesverfassungsgericht die steuerliche Gleichstellung von Ehe und „eingetragener Lebenspartnerschaft“ beschlossen. Damit ist nun überdeutlich und endgültig klar, dass es um nichts anderes geht als um die Schritt für Schritt, Scheibchen für Scheibchen durchgesetzte Homosexualisierung der Ehe.

In Deutschland (wie auch in Frankreich) ist der einzige Unterschied bisher noch das Adoptionsrecht für homosexuelle Paare. In diesem Zusammenhang hier ein Verweis auf Studien des Deutschen Ärzteblattes. Für unser eigentliches Thema ist wichtig, dass der einschlägig bekannte Grüne Volker Beck nunmehr, trotz der Verstrickungen seiner Partei in Pädophilie-Affären und eigener Verstrickungen - was ihn anbetrifft, anscheinend durch Solidaritätsbekundungen - (genannt sei hier auch der EU-Abgeordnete der Grünen Daniel Cohn-Bendit), lauthals zum Sturm auch auf die letzten Verteidigungsstellungen der ehemaligen Bastion „Ehe“ bläst. Es gebe keinen Grund, so Beck, an zwei verschiedenen Rechtsinstituten festzuhalten, es gelte nun die endgültige Abschaffung der Ehe zwischen Mann und Frau durch eine Fusion mit der „eingetragenen Lebenspartnerschaft“.

Ein Protestant, der sich und seinen Glauben noch ernst nimmt, müsste an dieser Stelle er- und bekennen, dass die angestrebte bürgerliche Institution „Ehe“ nun gar nichts mehr gemein hat mit der göttlichen Stiftung der Ehe zwischen Mann und Frau. Sie ist nichts weiter als ein beliebig kündbarer bürgerlicher Vertrag, der im Prinzip zwischen wem auch immer geschlossen werden kann. Das, was die säkulare Rechtsordnung da unter der Bezeichnung „Ehe“ anbietet, ist ein ideologisches Kunstprodukt zweifelhafter Herkunft. Es hat eine recht eingegrenzte Haltbarkeit und einen denn doch spürbaren Schwefelgeruch.

Im Jahre 1874 hatte Bismarck den Kirchen während des sogenannten „Kulturkampfes“ der Kirche und den protestantischen Glaubensgemeinschaften das Recht der gültigen Eheschließung genommen. Die protestantischen Glaubensgemeinschaften erkannten auch die staatlich geschlossene Ehe als eine solche, eben als eine Ehe an, der noch eine Art geistlicher Beistand nachgeschoben werden könnte.

Eben darin besteht nun das protestantische Dilemma. Von staatlicher Seite wurde der Konsens, eine Ehe werde zwischen Mann und Frau geschlossen, aufgekündigt. Wenn nun die staatliche Eheschließung dieser Definition nicht mehr unterliegt – kann eine solche Ehe dann gültig geschlossen sein? Ist das, was der Staat als Ehe bestätigt und Schritt für Schritt seiner Substanz beraubt hat, wirklich eine Ehe, wie Gott sie gewollt hat bzw. will? Kurz: ist alles, was von irgendwem per Mehrheitsbeschluss als „Ehe“ bezeichnet wird, wirklich eine solche?

Es ist dem Protestantismus eigen, sich dem Zeitgeist geschmeidig anzupassen. Das ist keine bösartige Unterstellung, sondern eine nachweisliche Tatsache. Ist es aber dem wirklich gläubigen Protestanten möglich, immer noch mehr von der Substanz seines Glaubens wegbrechen zu sehen? Ist das Bündnis mit dem Zeitgeist das wert?

Für den Katholiken liegt die Sache klar. Die „Eheschließung“ vor dem Standesbeamten ist ein Vertragsschluss, der in der bürgerlichen Rechtsordnung Rechte und Pflichten mit sich bringt. Die Ehe jedoch, die Christen miteinander eingehen, ist ein Sakrament, und das ist nicht verhandelbar. Kein Staat dieser Welt kann dieses Sakrament für wen auch immer öffnen oder schließen.

Wir haben die Enzyklika „Casti Connubii“ Papst Pius XI. über die christliche Ehe hier eingestellt. Auch in diesem Zusammenhang erweist sich wieder die übergeordnete, überzeitliche Bedeutung des kirchlichen Lehramtes: das, was der Papst uns als Lehre der Kirche vorstellt, ist heute aktueller denn je.

Auch, wenn unsere Landsleute ganz offenbar immer noch im Tiefschlaf sind. Und unsere Bischöfe sowieso - sie sollten die Enzyklika verinnerlichend lesen.

JV

 

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