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Paris: „Flop-für-alle“ statt „Konzert-für-alle“ - Hunderte bei Pro-Homoehe-Konzert PDF Drucken E-Mail
Mittwoch, den 22. Mai 2013 um 07:21 Uhr

„Flop-für-alle“ statt „Konzert-für-alle“: die Bühne war aufgebaut, die Scheinwerfer strahlten, die Boxen dröhnten. Verschiedene Organisationen hatten aufgerufen, auf dem Bastille-Platz das Gesetz der sozialistischen Regierung Hollande über die Homo“ehe“ zu feiern. Hunderte waren gekommen und schwenkten Trikolore und Regenbogen-Fahne. Die Tageszeitung „Le Figaro“ macht aus dieser totalen Pleite immerhin noch einen Achtungserfolg. Das müssen Journalisten heute können. Mindestens. Und wenn sie gut sind, dann schreiben die Journalisten zwischen den Zeilen, was wirklich Sache ist – so wie hier:

„Mehrere hundert Menschen haben sich heute abend auf dem Bastille-Platz in Paris versammelt, um einem Gratis-Konzert beizuwohnen, mit dem das Gesetz über die Homoehe zu feiern und den „langen Monaten schwieriger Debatten“ ein Ende zu setzen. Nach einem regnerischen Tag war der Himmel wolkenverhangen, als die Menge zahlreiche französische und Regenbogen-Fahnen schwenkte, welche die Veranstalter verteilt hatten.

Der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoë, die Ministerin für Familienangelegenheiten Dominique Bertinotti, der ehemalige sozialistische Minister Jack Lang und die Verantwortlichen der veranstaltenden Vereinigungen wohnten einem Teil des Konzerts bei. Während man auf den Höhepunkt der Demonstration wartete, den franco-britischen Künstler Mika, der sich im vergangenen September als homosexuell outete und nach 22 Uhr auftreten sollte, versuchte Jérôme Daran, die Zuschauer in Stimmung zu versetzen. Nachdem verschiedene Intellektuelle und Verbandsvertreter das Wort ergriffen hatten, bestieg die Gruppe HK et les Saltimbanques die Bühne und spielte ihre Hymne „Wir geben nicht auf“, ein Ruf, der paradoxerweise von den Gegnern der Homoehe aufgenommen wurde, die auf eine Aufhebung des Gesetzes hoffen. „Das ist schon seltsam, hierhin zu kommen, um seine Solidarität mit einem Gesetz zu zeigen, das bereits beschlossen worden ist, aber so zeigt man auch, dass man gern ein Ende jenes üblen Getöses hätte, das wir miterleben mußten“, erklärt Kaddour, ein Mitglied der Gruppe, bevor er auf die Bühne steigt.

Die Künstler Mademoiselle K, Zaza Fournier, Les Lascars gays und Magga sind zwischen zwei Ansprachen auch auf der Bühne. „Wir haben neun Monate voller besonders schwieriger Debatten hinter uns, mit einer Homophobie, die alle Hemmungen verloren hat. Da ist es wichtig, sich zu einem Augenblick der Gemeinschaft zusammenzufinden,“ sagt Nicolas Gougain, Sprecher der Inter-LGBT. „Ich bin ganz froh, das ist eine sehr gute Art und Weise, diese langen Monate voller Debatten zu beenden“, erklärte seinerseits Erwann Binet, Abgeordneter der Sozialistischen Partei und Berichterstatter der Homoehen-Gesetzesinitiative.

Dann stieg der Präsident des Mouvement unitaire progressiste (MUP) Robert Hue die Bühne und begrüßte „einen historischen Augenblick für die Republik“, wofür ihm die Menge applaudierte.

Zwei Studentinnen sitzen auf dem Boden und teilen sich eine große Flasche Bier. „Ich hoffe, dass die Leute sich jetzt ein wenig öffnen und ihre Einstellungen ändern. Das braucht Zeit, aber es ist möglich“, hofft Garance Clausse, 19 Jahre alt.

„Das ist ein Symbol für das Ende der Auseinandersetzungen. Selbst wenn hier jetzt nicht viele Leute sind, es ist wichtig“, sagt ihre Freundin Mathilde Lefort, 20 Jahre alt. Dieses Konzert fand einen Monat nach der Annahme des Taubira-Gesetzes statt, welches die Ehe und die Adoption für gleichgeschlechtliche Paare öffnet, und wenige Tage nach der Bestätigung durch den Verfassungsrat.

Am Sonntag treffen sich die Gegner der Reform in Paris zu einer nationalen Demonstration.“ (Le Figaro, 22.05.2013)

Also, was lesen wir? Die Republik bietet alles auf: ein Gratis-Rockkonzert. Auf dem symbolträchtigen Bastille-Platz, auf dem die Revolution von 1789 begann. Fahnen. Prominenz (allerdings nur in Teilzeit). Mit dem ehemaligen Chef der Kommunistischen Partei, Robert Hue, und seinen großen Sprüchen. Und wer kommt? Mehrere hundert, darunter zwei biertrinkende junge Phrasendrescherinnen.

Welche Pleite.

Und nun warten wir auf den kommenden Sonntag. Es sieht gut aus!

JV

 

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