Civitas Institut

Civitas-Kreis Hattersheim: sehr informative Podiumsdiskussion über Kindertagesstätten PDF Drucken E-Mail
Montag, den 26. März 2012 um 09:23 Uhr

Gut besetzt war das Foyer der Stadthalle Hattersheim am Abend des 23. März 2012: der dortige Civitas-Kreis hatte zu einer Podiumsdiskussion zum Thema „Kindertagesstätten“ eingeladen, und viele Interessierte waren gekommen, um den verschiedenen Argumenten pro und contra zu folgen und sich ein eigenes Urteil zu bilden. Sechs Diskutanten tauschten sich in fairer und sachlicher, sehr freundlicher Weise aus.

Sehr schnell stellte sich heraus, dass man in der wesentlichen Problematik einig war: das Wohl des Kindes, der Kinder hat absoluten Vorrang vor allen anderen Interessen. Herr Dr. Pfeiffer, Kinderarzt mit jahrzehntelanger Erfahrung, durch eine intensive Vortragstätigkeit und zahlreiche Veröffentlichungen bekannt, betonte die wichtige Rolle der Mutter in den ersten drei Lebensjahren des Kindes: in keinem Fall könne eine auch noch so kompetente Betreuung die Mutter ersetzen, wenn es darum gehe, dass das Kind Bindungsfähigkeit und Vertrauen entwickle. Sein gesamtes Leben werde dadurch unauslöschlich geprägt. Eine ganze Reihe von Störungen und Krankheitsbildern entstehe aus dem Fehlen der Mutter. Letztendlich seien die Folgekosten (wenn man materiell argumentieren will) für die Gesellschaft unvergleichlich höher als eine materielle Sicherstellung der frühkindlichen Erziehung durch die Mutter.

Aylin Cetinkaya als Vertreterin der SPD (sie ist Stadtverordnete in Hattersheim) begrüßte die Möglichkeit einer frühen Verbindung von Mutterschaft und Beruf; sie wies darauf hin, dass es nach einer langen Ausbildung schwerfalle, auf die Ausübung des erlernten Berufes zu verzichten. Dem wurde zugestimmt, allerdings unter dem Hinweis, dass ein solcher Verzicht ja zeitlich begrenzt sein kann, bis die Kinder selbständiger sind.

Auf das grausame Scheitern aller Versuche eines extrem frühen Zugriffs auf die Kinder vor allem in den kommunistischen Diktaturen wies die Schauspielerin und Publizistin Inge Thürkauf hin. Sie untermauerte ihren Beitrag mit Zeugnissen u.a. von Michael Gorbatschow, Alexander Solschenizyn und weiteren Zeitzeugen: auch Berichte von Betreuerinnen führte sie an, die selbst unter den Trennungsängsten der ihnen anvertrauten Kinder und vor allem unter dem früher oder später erfolgenden Resignieren der Kinder enorm litten.

Als ausgesprochener Familienmensch zeigte sich die Vertreterin der Grünen, Karin Schnick. Auch sie betonte die Unverzichtbarkeit der Mutter und, später, des familiären Rahmens mit Eltern, Geschwistern und Großeltern für ein gesundes Aufwachsen der Kinder, wies aber darauf hin, dass in dieser Gesellschaft die Verhältnisse eben nicht mehr so ideal sind, wie es wünschenswert wäre. Tatsächlich gebe es sehr viele Familien, die nicht in der Lage sind, ihrem Erziehungsrecht nachzukommen, und hier müsse geholfen werden, so gut es eben gehe. Herr Dr. Pfeiffer wies nochmals auf die großen medizinischen Gefahren der Not“lösung“ Kindertagesstätte bzw. frühkindliche Verwahrung hin.

Man müsse auf der Hut sein, betonte Herr Rechtsanwalt Hans-Helmut Fensterer, dass eine Möglichkeit bzw. ein eingeräumtes Recht wie das der Betreuung in Kindertagesstätten nicht zu einem Zwang werde. Anhand der bestehenden, kritisch zu sehenden Gesetzeslage im Familienrecht werde es z.B. alleinerziehenden Müttern immer mehr unmöglich gemacht, sich und ihr Kind durch Arbeit zu erhalten und das Kind zugleich angemessen zu versorgen. Die Gesetzgebung sei hier, wie überhaupt auch im Scheidungsrecht, keineswegs im Sinne der Familie oder gar familienfreundlich.

Den Zusammenhalt, die Solidarität in der Familie stellte, ähnlich wie Frau Schnick, auch die FDP-Stadtverordnete Karin Fredebold in den Mittelpunkt ihrer Argumentation. Man müsse aufpassen, dass der Staat (wie es sich historisch in den letzten 150 Jahren entwickelt hat) nicht allzu viele Funktionen übernehme, die sehr wohl von den Einzelnen, von den Familien geleistet werden können und sollen. Bindungen jeglicher Art seien heute unsicherer, das recht egoistische Anspruchsdenken jedoch größer. Zu sehr werde vom Staat die Absicherung der Lebensumstände und Lebensverhältnisse erwartet.

Herr Dr. Pfeiffer untermauerte diese Aussagen mit Beispielen aus eigenem Erleben in weitaus ärmeren Ländern: in Armenien werde die nicht-medizinische Versorgung von Kranken in Krankenhäusern von Familienmitgliedern geleistet, und zwar zur Gänze.

Frau Thürkauf lenkte die Diskussion dann auf das Ignorieren Gottes, der dieser Gesellschaft völlig egal sei. Sei nicht vieles von dem, was alle Diskussionsteilnehmer als Fehlentwicklung unserer Gesellschaft sehen, genau dadurch ausgelöst und verschärft?

Insgesamt gab es an diesem Abend – über alle Partei- und Weltanschauungsgrenzen hinweg – eine große Übereinstimmung in der Analyse des Problems, in der Erkenntnis, dass in unserer Gesellschaft etwas sehr schief läuft und in der Erkenntnis, dass Selbstverständlichkeiten wie die Anerkennung des Wertes der Mutterschaft unbedingt wieder bewusster gemacht werden müssen. Und: dass frühkindliche Betreuung in Kindertagesstätten keineswegs ein anzustrebendes allgemeines Ziel ist, sondern lediglich eine immer mängelbehaftete Notlösung für Notfälle bleiben muss.

Die Diskussion endete mit Schlussworten der einzelnen Teilnehmer, von denen mehrere ihren Müttern, ihren Eltern dankten. Mehrere betonten, dass ihnen die Beschäftigung mit dem Thema und die Veranstaltung sehr viel zu Denken gegeben habe. Besonders herzlichen Applaus bekam die 25-jährige Vertreterin der SPD, Aylin Cetinkaya, für ihre offene und überaus sympathische Aussage in ihrem Schlusswort: sie habe im Laufe des Abends gemerkt, wie sehr sie sich (auch auf Grund ihres jugendlichen Alters) noch mit dem Thema beschäftigen müsse.

Nach einem Gedicht eines unbekannten Verfassers über das aufopferungsvolle Wirken der Mütter dankte der Moderator des Abends den Teilnehmern und dem Publikum für einen gelungenen, fairen, bereichernden Abend.

Schon im Laufe der Diskussion hatte er dem Erstaunen des Civitas-Instituts und des Civitas-Kreises Hattersheim Ausdruck gegeben, dass die örtliche CDU (eigentlich doch als herausragende Verteidigerin des christlichen Menschenbildes und der christlichen Werteordnung dafür bestimmt) auf mehrere Einladungen zu diesem Abend noch nicht einmal reagiert hatte: eine verpasste Chance für die Hattersheimer CDU.

Längere, ergänzende Gespräche in kleinen Kreisen beendeten einen informativen Abend.

Nach dieser abschließenden Podiumsdiskussion, der insgesamt sieben Vorträge, davon drei als Vorbereitung hierzu, vorausgingen (nicht zu vergessen die Wallfahrt nach Liebfrauenheide bei Klein-Krotzenburg) wird sich der Civitas Kreis zunächst zurückziehen, um in Ruhe Vorbereitungen zu treffen für das kommende Winterhalbjahr 2012 / 2013, um wiederum den Bürger der Stadt Hattersheim Vorträge zu Fragen der Gesellschaftspolitik anbieten zu können. Vorweg sei gesagt, dass hier Probleme wieder aufgegriffen werden, die wohl alle interessieren dürften. So die heutige Diskussion um Hirntod und Organverpflanzungen, Genderismus, Subsidiarität und Solidarität und mehr.

 

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