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Französischer Prälat gegen die Macht der Presse PDF Drucken E-Mail
Sonntag, den 08. Januar 2012 um 14:08 Uhr

Ohne direkt auf die aktuellen Verhältnisse in Deutschland einzugehen, hat ein französischer Prälat zur Macht der Presse entschieden Stellung bezogen: „Die Presse ist von Natur weder gut noch böse. Sie ist eine gewaltige Erfindung, die ebenso gut dem Bösen wie dem Guten dienen kann; alles hängt vom Gebrauch ab, der davon gemacht wird.
Es liegt indessen auf der Hand, dass infolge der Erbsünde die Presse viel mehr dem Bösen gedient hat als dem Guten, und dass ein furchtbarer Missbrauch damit getrieben wird.

In unserem Jahrhundert ist die Presse der gewaltigste Hebel der Revolution. Wenn wir nur den Journalismus ins Auge fassen, welcher der tätigste und einflussreichste Teil der Presse ist, so lässt sich nicht verkennen, dass die Zeitungen die größte Gefahr für den Thron wie für den Altar sind. In Frankreich zum Beispiel, um bei diesem stehen zu bleiben, sind unter fünfhundertvierzig Zeitungen vielleicht keine dreißig, welche wahrhaft christlich sind. Auf achtzig- oder hunderttausend Leser jener Zeitungen, welche den Glauben, die Kirche, die Regierung respektieren, kommen fünf bis sechs Millionen Menschen, die alle Tage das zerstörerische Gift einschlürfen, das ihnen die gottlosen Zeitungen tropfenweise präsentieren.

In den Händen der Revolution ist die Presse, man verzeihe mir den Ausdruck, weiter nichts als eine große Vogelorgel für die Menschen. Wenn man einen Vogel eine Melodie lehren will, so leiert man ihm dieselbe zehn oder zwanzig Mal des Tages auf einem eigens zu diesem Zweck gebauten Instrument vor. Die Führer der revolutionären Partei bedienen sich dazu der Presse, um, wie man sagt, die öffentliche Meinung zu bilden und die Köpfe mit ihren unglücklichen Ideen anzufüllen; jeden Tag drehen sie die Orgel, jeden Tag wiederholen sie in ihren Blättern die Melodie, welche sie dem Publikum eben mundgerecht machen wollen und – die Vögel pfeifen sie nach. Das nennt man dann „öffentliche Meinung!“
Was die Kirche betrifft, welche diese Melodie nicht lernen will, so versucht man mit ihr ein anderes Mittel: man versucht, sie einzuschläfern. Die Revolution behauptet, wie alle Welt weiß, dass die katholische Kirche nicht mehr auf der Höhe der Zeit stehe, und gibt sich mit heuchlerischem Wohlwollen den Anstrich, als wolle sie dieselbe nach den modernen Ideen umgestalten; im Grunde will sie dieselbe töten. Sie schleicht sich daher zur Kirche heran und hält ihr ein zweideutiges Werkzeug, die Presse, vor; es werden nun schöne und süße Worte gemacht, ja sogar fromme Erklärungen abgegeben, um die Wächter des Glaubens einzuschläfern. Wenn aber dann die Kirche misstrauisch ist, wenn der Papst und die Bischöfe nicht mit sich spielen lassen, - dann wirft die Revolution die Maske ab, wandelt ihr Werkzeug in eine Kriegsmaschine um und greift offen den Feind an, der sich von ihr weder belehren noch betören ließ.
Was ich hier von dem Zeitungswesen in Frankreich gesagt, gilt in vielleicht noch höherem Grade von England, von Belgien, von Deutschland, der Schweiz und namentlich von Piemont und dem armen Italien. Jeden Tag erscheinen vierzehn- oder fünfzehnhundert Zeitungen in Europa, - wie viele davon sind wohl der Kirche aufrichtig zugetan?
Wenn man indessen ein wenig in die Geheimnisse der Redaktionsbüros eingeweiht ist, so ergibt sich von selbst, dass es nicht anders sein kann. Mit Ausnahme einiger weniger ehrenhaften Persönlichkeiten treiben die Journalisten von Profession weiter nichts, als ein förmliches Handwerk auf Kosten des Publikums. Sie haben weder eine religiöse, noch eine politische Überzeugung; ihr Gewissen liegt in ihrem Tintenfass und ihre Tinte verkaufen sie an den, welcher ihnen am meisten bietet. Nach dem Interesse ihres Beutels, der infolge ihrer Liederlichkeit gar oft leer ist, schreiben sie mit „edlem“ Eifer bald für, bald gegen eine Sache und machen sich dabei über ihre leichtgläubigen Leser lustig. Sie schmeicheln dem Oppositionsgeist, um die Zahl ihrer Abonnenten zu vermehren, und die schlechtesten und geistlosesten Blätter sind oft diejenigen, welche die besten Geschäfte machen. Das sind nun die Erzieher der Menschheit! In solche Hände ist das öffentliche Gewissen gefallen!
Unter dem Drucke der geheimen Gesellschaften feuert die revolutionäre Journalistik aus allen ihren Federn gegen die Kirche; sie wird den Glauben in Europa noch völlig zu Grunde richten, wenn Gott in seiner Barmherzigkeit sich nicht beeilt, diesem ungeheuren höllischen Komplott ein Ende zu machen.“

(Abbé de Segur: Die Revolution und ihre Verkörperung im „modernen Staate“, dt. Mainz 1861, S. 50 - 53; Rechtschreibung und Interpuntion aktualisiert)

 

 

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