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Privateigentum und Naturrecht PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 06. Oktober 2011 um 09:21 Uhr

Für Liberale ist das Privateigentum die Grundlage von Staat und Gesellschaft. Dieser Auffassung widerspricht allerdings das Naturrecht, denn naturrechtlich sind alle zeitlichen Güter Gemeineigentum. Ja, Sie haben richtig gelesen: das Privateigentum ist eine positiv-rechtliche und keine naturrechtliche Einrichtung. Gleichwohl widerspricht das Privateigentum keineswegs dem Naturrecht.

 

An sich, naturrechtlich, sind alle zeitlichen Güter gemeinsames Eigentum der Menschen und die faktische Güterteilung ist nur positiven Rechts, schreibt der Thomist Gallus M. Manser mit direktem Bezug zu Thomas von Aquin (ST, II-II, 66,2). Aus diesem Grundsatz des Naturrechts leitet Thomas von Aquin ab, dass der sogenannte „Mundraub“ kein Diebstahl ist. Wer in einer extremen Notsituation das Eigentum eines anderen zu seiner Lebenserhaltung verwendet, begeht keinen Diebstahl.

 

Demgegenüber ist die von den Liberalen über alles gelobte und gepriesene Institution des Privateigentums eine menschliche Einrichtung des positiven Rechts. Thomas von Aquin betont allerdings, dass das Privateigentum keineswegs dem Naturrecht widerspricht, sondern in gewisser Weise sogar das Gemeineigentum schützt, bewahrt und vermehrt. Deshalb ist Thomas auch kein Sozialist oder Kommunist, die das Privateigentum aufheben oder zumindest stark begrenzen wollen.

 

Thomas geht in dem oben bezeichneten Artikel auf einen Einwand ein, der folgendermaßen lautet: Es scheint gesetzwidrig zu sein, wenn ein Mensch eine Sache für sich selbst besitzt. Denn alles, was dem Naturrecht widerspricht ist gesetzwidrig. Nun sind nach dem Naturrecht alle Dinge Gemeineigentum. Der Besitz von Eigentum steht somit im Gegensatz zur Gemeinschaft der Güter. Deshalb ist es ungesetzlich, dass irgendein Mensch sich ein äußeres Ding für sich selbst aneignet.

 

Thomas antwortet darauf, dass Menschen die Fähigkeit haben, Dinge zu erzeugen und zu verteilen und in dieser Hinsicht ist es für den Menschen rechtmäßig, Eigentum zu besitzen. Es ist sogar notwendig zum menschlichen Leben, dass der Mensch Eigentum besitzt und zwar aus drei Gründen.

 

Erstens weil jeder Mensch mit dem, was ihm allein gehört, sorgsamer umgeht, als mit dem, was allen gehört. Jeder würde sich vor der Arbeit drücken und sie einem anderen überlassen, wie dies überall dort geschieht, wo eine größere Zahl von Mitarbeitern zu finden ist.

 

Zweitens weil die menschlichen Angelegenheiten geordneter sind, wenn jeder Einzelne mit der Sorge für bestimmte, ihm anvertraute Dinge beauftragt ist, wobei es zu einem Durcheinander kommen würde, wenn jeder für jedes einzelne Ding zu sorgen hätte.

 

Drittens weil ein friedlicherer Zustand garantiert ist, wenn jeder Einzelne zufrieden mit seinem eigenen ist. Deshalb wird es oft beobachtet, dass Streitereien häufiger entstehen, wo es keine Aufteilung des Besitzes gibt.

 

Außer der Erzeugung und Verteilung der Dinge werden diese auch von Menschen gebraucht. Hinsichtlich des Gebrauchs sollte man die Dinge nicht für sich selbst besitzen, sondern für die Gemeinschaft, damit man sie mit anderen, die sie benötigen, zu teilen kann. Damit ist vor allem gemeint, dass es dem Naturrecht widerspricht, Eigentum anzuhäufen und nicht wieder in Umlauf zu bringen. Ebenso ist darin die Verpflichtung zum Almosengeben enthalten, zu der jeder eine Pflicht hat, der dazu in der Lage ist.

 

Auf den oben genannten Einwand erwidert Thomas dann, dass es zwar richtig ist, dass naturrechtlich alle zeitlichen Güter Gemeineigentum sind, das dies aber nicht bedeutet, dass der Besitz von Privateigentum deshalb verboten ist und die Aufteilung der Besitztümer dem Naturrecht widerspricht. Vielmehr bedeutet dies, dass das Privateigentum aus menschlichem Überkommen entstanden ist und zum positiven Recht gehört. Das Privateigentum steht nicht im Gegensatz zum Naturrecht, sondern ist diesem durch die menschliche Vernunft gewissermaßen als Ergänzung hinzugefügt worden.

 

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