| Der Ursprung der CDU |
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| Mittwoch, den 03. Februar 2010 um 10:23 Uhr | ||||
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REDE AUF DER ERSTEN GROßKUNDGEBUNG DER CHRISTLICH-DEMOKRATISCHEN UNION DEUTSCHLANDS, BEZIRKSVERBAND LEIPZIG, IM CAPITOL ZU LEIPZIG von Pater Aurelius Arkenau OP2, Leipzig (1)
Leipzig, den 11.11.1945
Parteifreunde! Meine Damen und Herren!
Wir haben soeben einen hochgelehrten und doch recht volkstümlich gehaltenen Vortrag gehört über Kunst und Wissenschaft. Ich glaube, die größte Kunst und Wissenschaft ist zugleich die Politik. Es ist schwer, es war immer schwer, Politik zu treiben, immer das Kräftespiel, das Für und Wider abzuwägen. Immer war ja die Politik die Kunst des Möglichen und niemals des Unmöglichen. Man durfte nie ein Ideenfanatiker sein, sondern man mußte eine Idee gegen die andere abwägen. Immer war Politik eine hohe Kunst. Und vor allem die Politik in der Gegenwart. Wir müssen einfach mit den realen Tatsachen rechnen. Wir haben zwölf Jahre Naziterror hinter uns. Wir haben sechs Jahre Krieg hinter uns. Wir sind nicht nur geschlagen, sondern zerschlagen. Wir haben eine finanzielle Schuld der ganzen Welt gegenüber, die weit das ganze Volksvermögen übersteigt. Und wir haben dazu eine moralische Schuld auf uns geladen, die wir vielleicht erst nach Jahrzehnten getilgt haben können. Und wir treiben Politik unter den Augen einer fremden Besatzungsbehörde. Auch das wollen wir niemals vergessen, daß wir in vielen Dingen einfach nicht so können, wie wir gern möchten. Es ist also schwer, Politik zu treiben. Und dennoch sind wir frohe Optimisten. Ich will Sie einmal fragen: Welches Volk hätte wohl durch alle die Belastungen, die auf uns lagen, und durch all die Schicksalsschläge hindurch so viel Gesundes und Starkes in die Gegenwart hineingerettet, wie das deutsche Volk? (Starker Beifall) Wir haben also Möglichkeiten bester Art, anzuknüpfen und aufzubauen. Freilich, uns ist jetzt durch den verlorenen Krieg und nach zwölf Jahren Naziterror das Gebot der Stunde zuteil geworden, das Steuerruder machtvoll in eine ganz andere Richtung zu werfen. (Beifall) Und darum müssen wir neue Ziele anstreben auf ganz neuen Wegen. Wir können da an das Alte, Vergangene kaum anknüpfen. Und wenn der Herr Vorsitzende schon ausgeführt hat, daß wir uns nicht auch die Politik des alten Zentrums zu eigen machen können, dann könnte ich das noch einmal durchaus hundertprozentig wiederholen. Das alte Zentrum ist begraben in einem Grabe, aus dem es keine Auferstehung mehr gibt. (Beifall)
Wir hörten auch schon, daß Mächte und Kräfte zu uns gekommen sind aus allen Lagern. Von solchen her, die bis dahin parteipolitisch farblos und neutral waren.Von den früheren mittleren Parteien, aus dem ehemaligen Zentrum. Sehr viele starke und mutige Kräfte sind zu uns gekommen aus der bekennenden evangelischen Kirche. Also aus allen Lagern kamen sie. Aber vorerst und vor allem kamen sie aus den Konzentrationslagern. (Beifall) Denken Sie daran. Von dem Gründergremium in Berlin sind 44% aller Gründer durch die KZ und die Gefängnisse des Naziterrors gegangen. Und ich möchte das eine schon zum voraus sagen: Wenn andere Parteien ihre mitunter nicht ganz paritätischen Machtansprüche stellen, weil sie am meisten im Kampf gegen den Naziterror geleistet hätten, dann dürfen wir voll Stolz darauf hinweisen, und die Statistiken geben uns dazu das Recht, daß wir Christen am meisten Blutopfer erbracht haben im Kampf gegen den Naziterror. (Starker Beifall)
Wenn es also darauf ankäme, auf den antifaschistischen Aktivismus, dann hätten wir hier die größten Machtansprüche zu stellen. (Beifall)
Sie kennen alle wohl die Begebenheit aus dem Lande des Preußenkönigs Friedrich II. Der hatte einen Justizminister Freiherr von Münchhausen. Der sollte, nach dem Willen des Königs, revidieren, also gegen sein Gewissen Recht sprechen. Auf diese Zumutung sagte der Justizminister: "Majestät, ich legen Ihnen meinen Kopf zu Füßen, aber nicht mein Gewissen." Und so hat es in unseren Reihen viele Männer und Frauen gegeben, die zwar dem Führer ihren Kopf, aber nicht ihr Gewissen zu Füßen gelegt haben. (Beifall)
Und wenn wir Politik treiben aus dem Christentum heraus, dann wollen wir diese Haltung in uns festigen. Wir können, wenn uns etwas zugemutet wird, was mit unserer Weltanschauung nicht übereinstimmt, den anderen den Kopf zu Füßen legen, aber wir tun es niemals, daß wir unser Gewissen den anderen zu Füßen legen (Beifall).
Was haben denn Politik und Christentum miteinander zu tun? Ist nicht derjenige der beste Christ, der bleichwangig und hohläugig mit frommem Augenaufschlag zu den Sternen emporschaut? Nicht doch, sondern derjenige ist der beste Christ, der mit beiden Füßen auf dem Boden der Wirklichkeit steht, der zwar den Tau des Himmels in sich hineintrinkt, aber auch das Mark der Erde in sich hineinißt. Wir haben uns durch die von Gott bekommene Macht auch die Erde Untertan gemacht und herrschen über sie. Wir Christen müßten in bezug auf Technik und Kultur, in bezug auf Politik und Wirtschaft an allererster Stelle stehen. Und ginge sogar unser Leben daran zugrunde, wir glauben doch an ein ewiges Leben. Gott hat die Welt geschaffen, und er hat sie in Christus Jesus zu dem gemacht, was er da geschaffen hatte. Und darum hat Gott und hat Christus in der Welt auch wohl etwas zu sagen. Und darum wollen wir gut beherrschte Herrscher unserer Zeit sein. Sehen wir nicht, wohin wir gekommen sind ohne Christus? Denken wir an einen Ausspruch zurück, den Rosenberg einmal getan hat über alle deutschen Sender. Er sagte: "Wir wollen in Deutschland jeden Gottesglauben niederreißen wie einen Gartenzaun, Latte um Latte." Und ein weniger bekannter Ausspruch unseres "Führers" lautet: (Er hat ihn gesprochen in dem Mai-Monat, der dem Beginn des Krieges gegen Rußland vorausging; da hat er zu den Reichsstatthaltern und Gauleitern in Berchtesgaden wortwörtlich gesagt:) "Ich will lieber ohne Christus zugrunde gehen, als mit Christus siegen." (Zurufe: Hört! Hört!) Er ist halt ohne Christus zugrunde gegangen, und wir wissen, wir können nur siegen mit Christus. (Beifall) Ein führender Mann der Gegenwart hat den Ausspruch geprägt: "Deutschland wird entweder christlich sein oder es wird überhaupt nicht sein." Und das soll die Grundlage sein für unsere Politik. Wir wissen, wir können aus dem Chaos nicht heraus, aus dem Abgrunde uns nicht mehr emporarbeiten, ohne daß die Gnade von oben herab daran teilnimmt.
Wer ist denn ein Christ? Ich spreche jetzt nicht als Dogmatiker oder Theologe, sondern als Politiker. Und da möchte ich es in einem Gleichnisse Christi sagen, was ich da zu sagen habe. In der Bibel steht das Gleichnis von dem Vater, der zwei Söhne hatte. Er schickte beide in seinen Weinberg. Der älteste Sohn, ein aalglatter, ganz schlauer, sagte: "Ja, ja, Vater", ging aber nicht. Der zweite, ein widerspenstiger, ruppiger Sohn, der sagte: "Nein" und ging doch. In der Bibel steht, daß dem Herzen des Vaters dieser zweite, der Nein-Sager und Ja-Täter näher gestanden habe als der erste, der Ja-Sager und Nein-Täter. Und so halten es unter uns auch vielleicht viele, die zur Dogmatik, zur konfessionellen Gebundenheit ihr Nein sagen und doch Ja-Täter sind. Das heißt, die ihr Leben und die Umwelt aus christlicher traditioneller Gesinnung heraus zu gestalten versuchen. Und alle diese sind uns herzlich willkommen.
Und willkommen sind uns auch alle Juden. Die Juden bringen zwei Jahrtausende alte Traditionen, und wir Christen wissen auch,daß der Neue Bund ohne den Alten gar nicht denkbar ist, daß das Neue Testament sozusagen steht auf dem Fundament des Alten Testaments. Christus ist nicht denkbar ohne die Patriarchen und ohne die Propheten. Und auch die Nichtarier, die Juden, heißen wir in unseren Kreisen herzlich willkommen.
Und wenn wir von Christentum und Politik sprechen, dann soll das ja nicht heißen, daß zum voraus derjenige der beste Politiker wäre, der der beste Christ ist. Das Christentum legt uns ganz entscheidende Verpflichtungen auf. Wir müssen als Christen mehr leisten als die anderen. Wir müssen in unseren Kreisen die besten Kenner und die besten Könner haben.
Und welches ist wohl die erste und die vornehmste Aufgabe der Gegenwart? Konfuzius wurde berufen an den Hof des chinesischen Kaisers. Seine Dynastie war im Sinken. Da stellte der Kaiser an den Gelehrten die Frage, was er wohl tun könnte, um der sinkenden Dynastie wieder aufzuhelfen. Da gab Konfuzius die frappierend einfache Antwort: "Wir müssen die Begriffe richtigstellen." Schaun Sie, das ist wohl unsere wesentlichste Aufgabe vom Christentum her, die verirrten und verwirrten Begriffe wiederum richtigzustellen.
Und dann selbstverständlich wollen wir auch eine Kraftquelle erschließen. Es gibt für alle politische Arbeit keinen festeren Grund als den Grund, der da halt gelegt ist in Jesus Christus. Da haben wir wirklich - nach einem Wort des Archimedes - einen festen Standpunkt, auf den wir uns stellen können und von dem aus wir dann die Welt aus den Angeln heben können.
Das mag genügen über das Thema "Christentum und Politik". Das eigentliche Thema wäre ja "Christentum und Demokratie". Ich muß mich kurz fassen. Ich kann die Gedanken beinahe nur stichwortartig andeuten. Zunächst: Wir wollen echte Demokraten sein in bezug auf den einzelnen. Die zwölf Jahre hindurch, aber auch schon in der Zeit vorher, da war Preußen, da war Deutschland beinahe eine einheitliche große Kaserne. Und in den letzten zwölf Jahren, da durfte man nicht leben ohne den Willen des Führers. (Beifall und Gelächter) Denken Sie an die Rassengesetze und an die Sterilisation. Kurz und gut, man durfte nicht atmen, man durfte sich nicht räuspern ohne Befehl von oben.
Wir wissen, der eine ist nicht wie der andere. Des Lebens Güter, auch die Güter des Geistes und der ethischen Veranlagung, sind nun einmal verschieden. Andersartigkeit bedeutet durchaus nicht Minderwertigkeit und jeder soll entsprechend seiner Art seinen positiven Beitrag liefern zum Vollklang und Wohlklang des Ganzen. Genauso wie auch im Chor, wenn jeder einzelne mächtig und stark seine Stimme beherrscht, dann kann er zum Wohlklang und Vollklang des ganzen Chores beitragen.
Wir wollen Demokraten sein in bezg auf die Auffassung vom Besitz. Wir haben schon aus den Worten des Herrn Vorsitzenden herausgehört, daß wir uns schützend vor den Privatbesitz, vor das Eigentum stellen. Eigentum ist erweiterte Persönlichkeit und wer kein Eigentum hat, der wird sehr leicht zum Eigentum. Der Dichter sagt: "Etwas muß er sein Eigen nennen, sonst geht der Mensch morden und brennen." Ich möchte mal den Staat kennenlernen, in dem der einzelne kein Privateigentum hat. Dann würde nach den Worten Senecas der eine des anderen Wolf werden, und solche Zustände wollen wir durch die Hütung des Privateigentums verhindern. (Starker Beifall) Freilich gibt es Zeiten, wo das in den Händen eines einzelnen aufgehäufte Eigentum, der Kapitalismus oder wie man es nennen will, in den Händen eines einzelnen vereinigt, für die anderen, die Habenichtse, die neben iihm stehen, die auch eben haben möchten und sollten, gemeingefährlich sich auswirkt, und dann fragen wir uns gar nicht, ob der betreffende Kapitalist diesen Besitz auf rechtmäßigem oder unrechtmäßigem Wege erworben hat. Wenn das Eigentum übermäßig angehäuft in den Händen eines einzelnen gemeingefährlich wird für die große Masse, muß der Staat kommen und dem Betroffenen eine Ader lassen, nicht um die Güter für sich zu behalten, sondern um sie gerechter zu verteilen. (Beifall) Wir wollen auch in diesem Punkte die Oberhoheit des Staates in aller Ehrfurcht anerkennen, auch da nach dem alten Grundsatz leben: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Auch da wollen wir sein ein echtes Volk von Brüdern.
Weiter: Wir wollen echte Demokraten sein in bezug auf die Klassen untereinander. Ein Gedicht, das ich vor längerer Zeit einmal las, lautet so: "Millionen Füße, ein Leib; das Pflaster kracht. Millionenmassen, ein Herz, ein Wille, ein Tritt, Gleichschritt, Gleichschritt." Da sehen wir die Tausenden, Millionen über den Asphalt dahinschreiten. Alles hört auf ein Kommando, alles ist abhängig von dem Willen eines einzelnen. Diese Zeiten müssen allemal vorbei sein. (Beifall) Weil der Mensch entgottet war, war er auch entmenscht, entpersönlicht, er war vermasst. Wir fordern, daß Klassen und Rang bleiben. Aber diese sollen im heiligen Wettbewerb miteinander eifern, wer am besten zum Wohle des Ganzen beitragen kann. Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes über sich selbst, bedeutet das Schicksal bestimmend in eigenen Händen tragen. Wir wollen also nicht eine irgendwie gerichtete und geartete Demokratie, und ich spreche es hier in der Öffentlichkeit ganz deutlich aus: Wir wollen auch keine proletarische Demokratie! (Bravo-Rufe und tosender Beifall)
Weiter: Demokratie in bezug auf die Volksvertretung. Wenn wir von der Berufung zur Wahl schreiten dürfen, dann sollen die Vertreter des Volkes von den untersten Stufen bis zu den höchsten Spitzen empor in freier Wahl bestimmt werden. Denken wir da einmal an die Vergangenheit zurück. Hitler ernannte und entließ die Minister. Auch die Reichstagsabgeordneten traten einmal im Jahr zusammen, um dann die Beschlüsse der Regierung entgegenzunehmen. Wissen Sie übrigens, was uns der Spaß zum Beispiel im Jahre 1942 gekostet hat? Die Herren Reichstagsabgeordneten bekamen an Aufwandsentschädigung in einem Jahr 6,3 Millionen, für Freifahrten auf der Eisenbahn 1,3 Millionen, also im ganzen 7,6 Millionen. Und dafür kamen sie einmal im Jahre zusammen, nahmen die Beschlüsse der Reichsregierung entgegen, sangen das Deutschland- und das Horst-Wessel-Lied. Das ist doch wohl der teuerste Gesangverein, der jemals gesungen hat. (Schallendes Gelächter und starker Beifall)
Ich sprach einmal mit einem Staatsrat. Bei der Gelegenheit fragte ich ihn auch, welche Bewandnis es denn mit ihm als Staatsrat habe. Da verglich er sich selbst mit einem hier in der Öffentlichkeit nicht gut näher zu bezeichnenden menschlichen Körperteil, und er sagte, er habe als Staatsrat zwar Sitz und Stimme, die dürfe sich aber nicht hören lassen. (Gelächter und Beifall) Wenn wir in freier Wahl Vertreter des Volkes gewählt haben, dann sollen das Männer und Frauen sein, die Sitz und Stimme haben, sich aber auch dürfen hören lassen. (Beifall)
Etwas über das Thema "Demokratie und Recht": Wir sind unserer Natur nach nicht Rechtsobjekt, also Gegenstand des Rechts, mit dem man nach Willkür verfahren könnte, sondern Rechtssubjekt, also Träger von Rechten. Der Mensch allein von allen Lebewesen trägt die Stirn frank und frei erhoben und hat eine Hand, geschaffen, jedes Werk zu vollbringen. Es ist so, als ob die Stirn geschaffen wäre, eine Krone zu tragen, die Hand, das Zepter zu führen, und schon die Alten haben staunend ausgerufen: "Ave Cäsar homo!" Sei mir gegrüßt, oh König Mensch! Und wie hat man doch in den letzten Jahren und Jahrzehnten dem Menschen die Krone von der Stirn gerissen und das Zepter aus der Hand gewunden. Wir wollen dem einzelnen Menschen auch in bezug auf Recht und Gerechtigkeit wieder die Krone auf das Haupt setzen und das machtvolle Zepter in die Hand zurücklegen. (Beifall)
In der Weimarer Verfassung war uns die demokratische Freiheit zugesichert. Wir waren aber subaltern erzogen, und wir haben die Rechte nicht auszunutzen und uns zu verhalten gewußt. Wir waren vor allem in bezug auf unser politisches Denken unwissend und ungeschult. Und darum konnten wir der Demagogie Hitlers zum Opfer fallen. Es war eben Deutschland beinahe eine einheitliche Kaserne geworden. Und Hand in Hand mit der völligen Unwissenheit ging ja auch ein Mangel an Zivilcourage. Wir hatten immer den anderen Völkern gegenüber ins Ausland hinein viel stolze Überheblichkeit. Da haben wir immer mit dem Säbel gerasselt und uns erhaben gefühlt über die anderen. So überheblich dem Ausland gegenüber wir waren, so buckelig, kriecherisch, feige sind wir gewesen den eigenen Landsleuten gegenüber. Ich habe schon oft in den letzten zwölf Jahren auf eine Stelle aus Shakespeare hingewiesen. Da sagt einer in bezug auf Julius Caesar, diesen Tyrannen, er, der Caesar, wäre kein Wolf, wenn wir nicht Schafe wären. Er wäre nicht Löe, wenn wir nicht Rehe wären. Und weil wir eben dämlich, dumm waren wie Schafe, und weil wir feige waren wie Rehe, deswegen haben wir uns von einem Hitler mit Haut und Haar fressen lassen. (Starker Beifall) Wir wollen uns politisch schulen, und wir wollen vor allem uns einen persönlichen Mut, eine Zivilcourage anerwerben, damit wir eben in Zukunft nicht von einem irgendwie gearteten Hitler uns von neuem fressen lassen. (Beifall)
Noch ein paar Worte über das Thema: "Demokratie und die anderen Parteien". Wir sehen unsere Partei an als eine Union, als eine Verbindung, als eine Gemeinschaft. Wir sehen unsere Partei nicht als einen Teilausschnitt, als einen Sektor, einen Block, der neben den anderen Blocks und Sektoren stünde und am Ende sogar gegen sie zu arbeiten versuchte, sondern die vier demokratisch-antifaschistischen Parteien sollen zusammenstehen in heiliger Begeisterung zu gemeinsamer Aufbauarbeit. Mir ist oft genug die Frage vorgelegt worden: Wie können sie überhaupt mit den anderen Parteien, vor allem auch mit der KPD, zusammenarbeiten? Ich möchte darauf die sehr einfache Antwort geben: Wir können mit den anderen Parteien zusammenarbeiten, weil wir mit ihnen zusammenarbeiten müssen. (Beifall) Und was man muß, das kann man auch. Und ich habe oft genug innigste Tuchfühlung gehabt mit den Führern anderer Parteien, und wir haben uns immer tadellos verstanden.Nicht bloß das Muß ist da, auch von allen Seiten her ein guter Wille.
Weiter: Unsere Partei und die Schuldfrage.Viele einzelne haben eine große Schuld auf sich geladen. Ich wiederhole noch einmal: viele einzelne haben eine große Schuld, eine ungeheuerliche Schuld auf sich geladen. Aber wir müssen nicht und dürfen es nicht, wenn wir der Wahrheit die Ehre geben wollen, dann dürfen wir nicht von der Gesamtschuld des deutschen Volkes reden. (Langanhaltender, tosender Beifall, Bravo-Rufe) Wir verlangen, daß die wirklich Schuldigen einer ernsten, schweren, gerechten Strafe zugeführt werden, wir verlangen aber ebenso, daß der Unschuldige frei ausgeht. (Bravo-Rufe und Beifall)
Noch ein Gedanke: Demokratie und die anderen Völker. Wir haben als Deutsche unsere Ehre längst nicht hundertprozentig verwirkt. Wir haben ja eben im Referat auch gehört, daß der Deutsche auch der Gegenwart sich noch fühlen darf. Ich persönlich gehe als Deutscher immer noch stolz erhobenen Hauptes durch die Straßen Leipzigs. (Reicher Beifall) Sprechen nicht zum Beispiel die Konzentrationslager eine deutliche Sprache? Spricht nicht der 20. Juli des verflossenen Jahres eine deutliche Sprache? (Beifall) Und wie ich schon sagte, hat das deutsche Volk nicht durch alle die Belastungen und durch alle die ungeheuren Schicksalsschläge so viel Gesundes hindurchgerettet, wie kaum ein anderes Volk hindurchgerettet haben würde? Darum: Wir haben unsere Ehre nicht verwirkt, und wir wollen auf alles Wahre und Gute und Echte heilig stolz sein. Freilich, wir wollen uns nicht stolz erhaben dünken über die anderen Völker. Für diesen einen Satz: Am deutschen Wesen muß die ganze Welt genesen, sind wir in dem Jahre 1918 und im Jahre1945 genügend gedemütigt, aber noch lange nicht demütig genug geworden. Wir wollen voll Stolz sagen zu den anderen Völkern: Ich habe vieles, was du nicht hast, aber auch demütig anerkennen und sagen: Dafür habt ihr anderen Völker mancherlei, was ich nicht habe. Ich bedarf euer zur Ergänzung, und ihr bedürft meiner zur Ergänzung. Wenn wir so wechselseitig ergänzen und zusammenstehen, dann erbringt es Vollklang und Jubelklang in der Völkersinfonie. (Beifall)
Unsere Erdkugel, unser Globus ist durch Rundfunk und Flugzeug so klein geworden. Wir wollen durch einen überhitzten und überspitzten Nationalismus diesen klein gewordenen Globus nicht noch parzellieren. Und darum wollen wir als echte Demokraten übernational sein. Wir wollen uns gern von den anderen Völkern und anderen Regierungen befruchten lassen, aber auch die anderen Völker und die anderen Regierungen befruchten von uns aus. Der überhitzte und überspitzte Nationalismus hat immer Feindschaft und Haß und Krieg hervorgerufen. Und das muß ein für allemal vorbei sein. Wir wollen selber leben, aber auch im guten Sinne leben lassen. (Beifall) Noch einmal sei es gesagt: Wenn unser deutsches Volk zugrunde ginge, ich wüßte kein anderes Volk, das die Fackel des Geistes, die leuchtende und glühende, so in die Hände nehmen könnte, wie sie das deutsche Volk in seinen Händen getragen hat. (Beifall)
Meine Damen und Herren! Aus Ihrer Aufmerksamkeit und aus Ihrem Applaus entnehme ich, daß ich nicht am Ohr vorbeigesprochen habe, und ich hoffe auch, daß ich nicht an Ihrem Herzen vorbeigesprochen habe, und ich bitte Sie: Nehmen Sie das Gehörte still mit nach Hause und denken Sie heilig ernst darüber nach. Und lassen Sie doch auch bitte dieses, was Sie gehört haben, wirken zu einer inneren Überzeugung, die Sie nicht im stillen Herzenskämmerlein verborgen halten, sondern ziehen Sie aus dem Gesagten für sich und diejenigen, auf die Sie Einfluß gewinnen können, die entsprechende Schlußfolgerung. Und die Schlußfolgerung, ich glaube, die müßte für Sie alle nach meiner festen Überzeugung lauten: Hinein in die Partei! (Starker, anhaltender Beifall)
---------------------------------------------------------- 1) Niederschrift nach dem stenographischen Protokoll 2) geboren am 7. Januar 1900 als Josef August Arkenau in Essen i.Olbg.; am 30. Aprl 1921 als Aurelius in Düsseldorf Eintritt in den Dominikaner-Orden, 1928 Priesterweihe im Kölner Dom, gestorben am 19. Oktober 1991 in Bedburg-Kirchherten. Im Jahre 1998 wurde Pater Aurelius Arkenau posthum vom Staat Israel mit dem Ehrentitel "Gerechter unter den Völkern" geehrt.
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Die Debatte um den Kurs der CDU ist nur dann von Sinn, wenn sie sich vergewissert, was die „Union“ nach dem Krieg sein wollte. Dann erhält man einen Blick auf das, was sie heute nicht mehr ist. Lesen Sie hier die Rede des Dominikanerpater Aurelius Arkenau auf der ersten Großkundgebung der CDU in Leipzig am 11. November 1945. Auf den historischen Kontext – Versammlung in der sowjetischen Besatzungszone – ist zu achten.
