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Papst besucht jüdische Synagoge in Rom PDF Drucken E-Mail
Montag, den 18. Januar 2010 um 08:09 Uhr

Der hl. Vater Papst Benedikt XVI. hat in Rom die jüdische Synagoge besucht. Bei dem Besuch sagte er unter anderem «Christen und Juden haben einen großen Teil ihres geistigen Erbes gemeinsam, sie beten zum gleichen Gott, haben die selben Wurzeln und bleiben sich trotzdem gegenseitig fremd», sagte der Papst in seiner Rede. Mit seinem Besuch in der römischen Synagoge wolle er den bisherigen Dialogs- und Versöhnungsprozess fortsetzen, bestätigen und vertiefen, stellte Benedikt XVI. klar. Daß Juden und Christen den selben Gott anbeten ist falsch und widerspricht der überlieferten Lehre der Kirche.

Zu Klarstellung dieser seit dem II. Vatikanischen Konzil stets wiederholten, aber deshalb nicht wahrer werdenden Irrlehre veröffentlichen wir hier einen Auszug aus dem Buch von Dr. Wolfgang Schüler: Pfarrer Hans Mich. Eine große Stimme des katholischen Glaubens, Band 2, S. 828ff.

 

„Zu dem angeblich gemeinsamen geistlichen Erbe von Christentum und Judentum gehört in erster Linie das AT. Gewiß erkennen sie beide dieses als ein heiliges Buch an, aber allein die Tatsache, daß das Christentum alle Prophezeiungen des AT über den kommenden Messias auf Christus bezieht und in Ihm die Erfüllung dieser Prophezeiungen sieht, während das Judentum es ablehnt, Christus als den verheißenen Messias anzuerkennen, zeigt, daß das AT für das Judentum ein anderes geistiges Erbe ist als für das Christentum, woran die Rede vom gemeinsamen Erbe vorbeigeht. Das Erbe besteht doch nicht nur im Wortlaut des AT, sondern wesentlich darin, wie er verstanden wird, und da besteht eben jener fundamentale Unterschied, der es nicht zuläßt, ohne Einschränkung von einem gemeinsamen Erbe zu sprechen.

 

Das NT bringt an mehreren Stellen, insbesondere im Johannes-Evangelium, zum Ausdruck, daß derjenige den Vater nicht kennt, der den Sohn nicht kennt:

 

- „Denn wenn ihr dem Moses geglaubt hättet, hättet ihr auch Mir geglaubt, denn er hat über Mich geschrieben“ (Joh. 5,46).

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- „Und Sein [ des Vaters] Wort habt ihr nicht in euch bewahrt, weil ihr dem nicht glaubt, den jener [der Vater] gesandt hat“ (Joh 5,38).

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- „Ihr kennt weder Mich noch meinen Vater; würdet ihr Mich kennen, würdet ihr auch Meinen Vater kennen“ (Joh 8,19).

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- „Wer Mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“ (Joh 14,9).

-

Zur weiteren Klärung dieser Problematik ist es nützlich, auf die Kritik von Pater Engelbert Recktenwald (Priesterbruderschaft St. Petrus) einzugehen, die er an einer Aussage von Pater Bernhard Zaby (Priesterbruderschaft St. Pius X.) geübt hat, die er zunächst wie folgt zitiert:

 

„Seit Gott in Jesus Christus Mensch geworden ist, kann man nicht an Gott glauben, ohne zugleich an Jesus Christus zu glauben. Die Juden haben also nicht ‘bis heute den Glauben an diesen Gott bewahrt’. Da sie an Jesus Chri¬stus nicht glauben, glauben sie auch nicht an Gott.“

 

Pater Recktenwald entgegnet: „Das ist logischer Unsinn. Durch die Mensch¬werdung hat sich die Identität Gottes nicht gewandelt. Wenn der Glaube an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs wahr ist, dann ist er wahr sowohl vor wie nach der Menschwerdung. Denn da Gott laut katholischem Dogma unveränderlich ist, ist auch die Wahrheit über ihn unveränderlich. Die alttestamentliche Offenbarung kann nicht im Nachhinein falsch werden, unabhängig von der Frage, wie weit die explizite Leugnung neutestamentlich geoffenbarter Glaubenswahrheiten den unvollständigen Gottesbegriff des Alten Bundes in einen irrigen mutieren.“

 

Dazu ist zu bemerken: Der Glaube des Alten Testaments kennt Christus nicht. Dieses Glaubenswissen enthält keine falsche wohl aber eine eingeschränkte Lehre über Gott und deshalb hatten die Juden einen wahren, wenn auch eingeschränkten Gottesglauben bewahrt, bis zum Auftreten von Chri¬stus. Entscheidend dabei ist, daß dieses eingeschränkte Glaubenswissen für die richtige begriffliche Weiterbestimmung Gottes offen war, die durch die Offenbarung von Christus ermöglicht wurde.

 

Dadurch, daß die Juden Christus nicht als den Sohn Gottes anerkannten, bewahrten sie ab diesem Zeitpunkt nicht mehr den wahren Glauben, was die soeben zitierte Stelle aus Joh 5,38 doch klipp und klar zum Ausdruck bringt. Pointiert ausgedrückt könnte man sagen:

 

Vor dem Auftreten von Christus sagt das Judentum: „Es gibt einen einzigen Gott, welcher der Schöpfer des Himmels und der Erde ist“, was stimmt. Nach dem Auftreten von Christus sagt es:

„Es gibt einen einzigen Gott, welcher der Schöpfer des Himmels und der Erde ist, und dieser Gott hat keinen Sohn, der in Jesus, dem Sohn Mariens, Mensch geworden ist“ und das ist natürlich falsch.

 

Die falsche Weiterbestimmung des Schöpfergottes erzeugt einen falschen Gottesbegriff und deshalb hat das Judentum den Glauben an den wahren Gott seit Christus nicht bewahrt.

 

Seltsamerweise kommt Pater Recktenwald zwar auf das Problem zu sprechen, „wie weit die explizite Leugnung neutestamentlich geoffenbarter Glaubenswahrheiten den unvollständigen Gottesbegriff des Alten Bundes in einen irrigen mutiert“, er löst es aber nicht, sondern bemerkt lediglich, daß dieses Problem unabhängig von der alttestamentlichen Offenbarung ist; das ist zwar richtig, geht aber an der anstehenden Problematik vorbei. So gelangt er schließlich zu der irrigen Ansicht: „Folglich ist ein wahrer Gottesbegriff [auch nach der Offenbarung durch Christus] ohne den Glauben an Jesus Christus möglich.“

 

Übrigens zeigt sich an der Argumentation von Pater Recktenwald, daß er bezüglich dieser Problematik in der additistischen Denkweise befangen ist. Die Offenbarung durch Christus betrifft nämlich den Glauben als Ganzes. Man darf also nicht so tun, als käme durch Seine Lehre zum alttestamentlichen Glauben nur noch etwas in additiver Weise hinzu. Es ist eben nicht so, daß der unvollständige Gottesbegriff des Judentums durch die Offenbarung bloß ergänzt wird. Vielmehr bestimmt die durch Christus ermöglichte begriffliche Weiterbestimmung des Schöpfergottes, diesen als einen Gott, der in drei Personen existiert, und wer das leugnet, wie das Judentum, der verliert infolge dieser Leugnung den Begriff des wahren Schöpfergottes. –"

 

Für eine Versöhnung von Christen und Juden ist die Betonung der Wahrheit eine Grundvoraussetzung. Zudem glauben wir kaum, daß die Juden mit der Aussage einverstanden sein werden, daß die Christen den gleichen Gott anbeten wie die Juden.

 

 

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