Civitas Institut

Gestern, heute, morgen – zum Beginn des Besuchs des Heiligen Vaters in Deutschland. PDF Drucken E-Mail
Donnerstag, den 22. September 2011 um 17:27 Uhr

Das Gestern regt sich, bläht sich auf, bläst sich auf zu hohler Größe. In Interviews und von den Medien gerne wahrgenommen, wiederholt es seine seit vierzig Jahren immer gleichen Satzbausteine. Immer dieselben anmaßenden Forderungen, welche die Gegenwart der Kirche schon gar nicht mehr beschäftigen. Das Gestern verbreitet gähnende Langeweile, intellektuelle Leere und den unangenehm belehrenden Geruch angemaßter Autorität. Unter der Berichterstattung im Staatssender Phoenix läuft während der Berichterstattung ein Band mit manipulierend ausgesuchten Beiträgen, die dem Zuschauer schon beibringen, was er von dem zu halten hat, das er da sieht. Das Gestern bekommt seine Bühne, will und fordert: und ist doch sichtlich alt und grau und ganz einfach out. Völlig out. Und dann betritt ein kleiner, weißgekleideter Greis die Szene, in diesem Fall den Bundestag, und beginnt mit zunächst ein wenig brüchiger Stimme eine große, tiefe und höchst gegenwärtige Rede. Eine Rede voller Klugheit, Weisheit, Rat und Stärke. Eine Rede mit überlegenem Humor, den er spontan einflicht – und das Vorgestern, ein vorbestrafter Rechtsbrecher und intellektuell schon lange überfordert, verläßt den Plenarsaal.

Es ist ganz eindeutig: das Gestern ist trotz seines recht hohen Alters biologisch wesentlich jünger als der Heilige Vater. Der aber wirkt geistig bedeutend frischer, ansprechender, motivierender, begeisternder – eben: jünger. Das liegt wohl daran, dass er zwar eine zweitausendjährige Vergangenheit repräsentiert (wenn man es genau nimmt, repräsentiert er ja auch den, der in Ewigkeit ist). Will sagen: das ist kein Gestern, sondern hier stand vor dem Bundestag das Morgen, die Wahrheit, und die ist eben Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Sie hat Zukunft. Das Gestern aber ist vorbei. Das weiß es nur noch nicht, weil es die Gegenwart nicht wahrnehmen kann.

Die Zukunft interessiert sich nicht für die Forderungen des Gestern, weil diese Forderungen längst in den von der Kirche abgespaltenen Gemeinschaften verwirklicht und dort ebenso unfruchtbar sind: da lebt nichts. Es ist das Verdorren nach anfänglichen Scheinblüten, es ist das Gestern. Zukunft hat nur und einzig, was auch Vergangenheit hat, was auch Wurzeln hat, die es nährt, die es in Saft und Kraft halten, die ein organisches, ein der Sache entsprechendes Wachstum ermöglichen und sichern.

Der Heilige Vater hat die Besinnung auf die Wurzeln ermöglicht und eingeleitet. Mit allen Kräften zieht er das Ruder in die richtige Richtung, und dabei lässt er gerade in seinem und unserem Vaterland sehr viele, die sich jünger und fortschrittlicher als er glauben, ziemlich reaktionär und alt aussehen. Gestrig. Ewiggestrig. Längst überholt.

Da gewinnt der Titel einer höchst intelligenten Filmtrilogie aus den achtziger Jahren eine neue, tiefe, ungeahnte und sicher damals ungewollte Bedeutung: Zurück - in die Zukunft!

Nochmals: von Herzen willkommen, und Danke (nicht nur) dafür, Heiliger Vater.

JV

 

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