Civitas Institut

Verteidiger des Ehebandes - Apostel des Christkönigs PDF Drucken E-Mail
Freitag, den 20. Mai 2011 um 00:00 Uhr

Am 15. Mai wurde der Würzburger Diözesanpriester Georg Häfner von Angelo Kardinal Amato im Auftrag des Papstes im Würzburger Dom seliggesprochen. Georg Häfner war ein Märtyrer. Er starb am 20. August 1942 im Alter von 42 Jahren im Konzentrationslager Dachau an den Folgen von Hunger und Folter. Acht Monate war er dort durch die Hölle gegangen. Pfarrer Häfner war ganz durchdrungen vom Glauben an das soziale Königtum Jesu Christi. Die Enzyklika Quas primas Papst Pius XI. erschien in seinem ersten Priesterjahr. Im Kirchenkampf mit den Nazis war sein Gebet: Alles für Christus, den König!

 

Sittliche Mißstände im öffentlichen Leben und religiöse Gleichgültigkeit verurteilte er immer mit klaren Worten von der Kanzel.

 

Er war ein frommer und demütiger Priester. Ein ganz kirchlich gesinnter Gottesmann mit seinen Ecken und Kanten. Seine Kraft holte das Mitglied im Dritten Orden der Karmeliten aus einem großherzigen Gebetsleben.

 

Was war der Grund für die Einlieferung in das KZ? Schon mehrfach war er wegen freimütiger Äußerungen bei der Gestapo angezeigt worden. Anlaß für seine Verhaftung war folgender Vorfall:

 

Als Pfarrer von Oberschwarzach hatte er den Nationalsozialisten Michael Wünsch, der geschieden und zivil „Wiederverheiratet“ war, auf dem Sterbebett mit Gott ausgesöhnt.

 

Er ließ ihn eine Erklärung unterzeichnen, die er veröffentlichte: „Ich, Wünsch, erkläre hiermit, dass ich die mit Dora Benkert geschlossene Zivilehe vor Gott und meinem Gewissen als nichtig erkläre und mich den Gesetzen Gottes und der Kirche unterwerfe. Das von mir durch diese Ehe öffentlich gegebene Ärgernis soll durch öffentliche Bekanntgabe dieser Erklärung wieder gut gemacht werden. Dies erkläre ich hiermit feierlich.“

 

Danach konnte er dem Sterbenden die Sakramente spenden und besuchte ihn, wie auch der Kaplan, noch einmal vor dem Hinscheiden.

 

Als Michael Wünsch dankbar und zufrieden im Willen Gottes starb, konnte er kirchlich beerdigt werden. Es gehörte zu den Pflichten des Pfarrers, die Aufhebung des schweren Ärgernisses der Scheidung und des Eingehens der Zivilehe mit einer anderen Frau bekanntzugeben, da ohne eine solche Requiem und kirchliche Beerdigung nicht gestattet sind.

 

Die örtlichen Nazis zeigten ihn an. Dadurch begann seine Passion. Georg Häfner ist ein Patron der Heiligkeit des Ehebandes.

 

Am 31. Oktober 1941 wurde der Pfarrer von der Gestapo in Würzburg vernommen und verhaftet. Das Urteil stand bereits fest. Schon am 3. Oktober hatte das Reichssicherheitshauptamt in Berlin mitgeteilt, „dass der Reichsführer-SS gegen Häfner längere Zeit Schutzhaft und Überführung in ein KZ.-Lager angeordnet hat.“ So kam es wohl zu Verhören, nicht aber zu einer Gerichtsverhandlung.

 

Sechs Wochen verbrachte Häfner in Haft in Würzburg. Aus dieser Zeit sind fünf Briefe erhalten geblieben: je zwei an den Dekan und an die Hausgehilfinnen, einer an die Eltern. Am 9. Dezember ließ Häfner die Eltern wissen, was ihm kurz zuvor mitgeteilt wurde: „Es ist vom Herrgott bestimmt, dass ich den Kreuzweg weiter gehe. Am Donnerstag komme ich sehr wahrscheinlich nach Dachau.“ In einem Atemzug fügte er hinzu: „Macht Euch deswegen keine allzu große Sorgen. Ohne den Willen Gottes geschieht nichts.“ Dann dankte er den Eltern für alles, was sie für ihn getan haben; er erbat weiterhin ihren Segen: „Keinem Menschen wollen wir fluchen, keinem etwas nachtragen, mit allen wollen wir gut sein.“ Den letzten schmalen Rand des Briefs nützte er zu der Versicherung: „Ich bete und opfere alle Tage für Euch.“

 

Das Ordinariat stellte gegenüber dem Staat klar: „Unser Herr Pfarrer Häfner hat bei der seelsorgerlichen Betreuung und bei der Beerdigung des Forstverwalters Wünsch nach jenen Anweisungen gehandelt, die schon immer in der Pastorallehre den zukünftigen Priestern gegeben wurden und die seit unvordenklichen Zeiten in allen bayerischen Diözesen ohne Beanstandung in der seelsorglichen Praxis zur Anwendung kamen.“

 

Im KZ bekam der die Brutalität der SS zu spüren:. Sein Mithäftling, der Pfarrer August Eisenmann berichtete: „Sein Empfang im Lager war, wie er mir erzählte, fürchterlich gewesen: er wurde mehrfach mit Fäusten traktiert, bekam Kinnhaken, so dass er blutete und zu Boden stürzte. Am nächsten Tage gings noch einmal in der gleichen Weise so: Als die Bestie von SS Mann Häfners ansichtig wurde, stürzte er wie ein wilder Stier wutentbrannt auf ihn los und vollführte eine ähnliche Szene, wie am Vortag. Häfner meinte, anscheinend habe es den Gegner gereizt, dass er so ruhig blieb und ihm unentwegt kühl in die Augen schaute; das gute Gewissen und die gute Meinung: Alles für Christus dem König – stärkte Häfner.“

 

Ein mit ihm gefangener Benediktiner beschrieb Pfarrer Häfner so: „Er war ein stiller innerlicher Mensch, trug seine Haft als Sühne für seine Pfarrgemeinde. Er liebte nicht viel Gesellschaft, ging meist allein auf und ab, betete oder betrachtete. All seine Leiden fasste er als Seelsorgemittel auf für jene von seinen Pfarrkindern, die zu wenig auf sein Wort gehört hatten. Er opferte auch sein Leben für sie hin.“

 

Die Pfarrei war ständig in seinem Denken. Ein Biograph konnte schreiben: „ Häfner war in Dachau nicht Pfarrer a. D.; er war voll im Dienst; er war Pfarrer im Sondereinsatz.“

 

Pfarrer Eisenmann schreibt über sein Sterben: „Im August erfasste ihn das Hungergespenst,“ schreibt P. Hess. „Füße, Hände, Kopf zeigten die bekannten Schwellungen. Als ich ihn das letztemal sah, waren schon die Augen tief eingeschwollen. Nach den gemachten Erfahrungen wusste ich, dass seine Tage gezählt waren. Kurz zuvor bekam er Phlegmone, jene eitrige Entzündung des Unterhautbindegewebes, die in Dachau eine Zeitlang seuchenmäßig aufgetreten, damals aber schon fast verschwunden war ... „Er ist wohl ganz einsam gestorben; vielleicht war zufällig ein Confrater bei ihm, ich weiß es nicht; ich selbst konnte ihn nicht besuchen; das war damals unter keinen Umständen gestattet. Ob er mit der letzten Ölung oder Hlg. Wegzehrung versehen worden ist, weiß ich auch nicht, ich konnte nichts über seine letzten Stunden in Erfahrung bringen. – Priestertod in der Verbannung von Dachau: Verlassen – in äußerster Not – unter wehen Schmerzen, aber sicherlich in großem und liebendem Vertrauen auf den Herrn: Für Christus und seine Kirche hat Georg Häfner sein Leben hingeopfert; für seinen Herrn und Meister ist er in den Tod gegangen; diese hochherzige heroische Gesinnung und die traurig-trostlosen Umstände seines Sterbens stempeln ihn zum ruhmgekrönten Martyrer.“

 

Papst Benedikt XVI. sagte am Tag der Seligsprechung in Rom: „In den Wirren des Nationalsozialismus war Georg Häfner bereit, als treuer Hirte bis zur Hingabe seines Lebens die Herde zu weiden und viele Menschen in der Verkündigung der Wahrheit und der Spendung der Sakramente zu den Wassern des Lebens zu führen. Seinen Peinigern hat er von Herzen vergeben, und seinen Eltern schrieb er aus dem Gefängnis: ‚Mit allen wollen wir gut sein.’ Seiner Fürsprache vertrauen wir uns gerne an, damit auch wir die Stimme Christi, des guten Hirten, hören und so zum Leben und zur Freude in Fülle gelangen.“

 

Georg Häfner ist ein Vorbild der Priester für die heutige Zeit. Aber es stellt sich die Frage: Würde heute Georg Häfner in einer deutschen Diözese zum Priester geweiht? Wäre das, was er vertreten und wofür er gelitten und gestorben ist, heute noch „pastoral“ gewünscht?  Ist seine Frömmigkeit, die im allerbesten Sinne „vorkonziliar“ war, vorbildlich für heute?

 

Hüten wir uns davor, sein Leben historisch zu relativieren und seine Glaubensüberzeugungen hermeneutisch zu „entkernen“. Georg Häfner ist ein Vorbild für heute, so wie er war.

 

 

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